Spielmanipulationen

"Ein Desaster für den Handball"

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Dirk Schulz

Bergedorf. Die Affäre um angebliche Spielmanipulationen des THW Kiel in der Champions League hat die deutsche Handball-Szene in Aufruhr versetzt.

Dem Manager des deutschen Rekordmeisters, Uwe Schwenker, sowie Ex-Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic werden nach einem Bericht des "Spiegel" ab dem Jahr 2000 Bestechungen von Schiedsrichtern in mindestens zehn Fällen vorgeworfen, darunter auch das gewonnene Finale gegen Flensburg-Handewitt 2007 - inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Wir haben uns umgehört, was die Handballer aus dem Heimatgebiet dazu sagen.

Carsten Mahnecke, Spielertrainer Lauenburger SV, von 1995 bis 1997 beim THW als Spieler unter Serdarusic:

"Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es wahr ist. Erstens, dass man so etwas macht und zweitens selbst wenn, dass man dann so dumm ist und davon erzählt. Aber: Christoph Daum (ehemaliger angehender Fußball-Nationaltrainer, die Red.) hat auch sein Ehrenwort gegeben, dass er kein Kokain genommen hat . . .

Jean-René Dambel, Trainer HSG Red Blue:

"Wie will man noch Vorbild für Jugendliche sein. Überall wird gedopt, jetzt dieser Skandal. Der ganze Handball gerät in Verruf. Aber so ist es, wenn man Sport nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten betreibt. Fakt ist zudem: In keiner Mannschaftssportart kann ein Schiedsrichter ein Spiel so beeinflussen wie im Handball.

Thomas Brodeßer, Frauen-Trainer TuS Aumühle-Wohltorf:

"Wir haben die Problematik in unserem Spiel gegen Bredstedt am eigenen Leib erfahren. Stürmerfoul oder nicht, Zeitspiel oder nicht, Schritte oder nicht - es gibt viele Chancen zur Einflussnahme. Man müsste die Schiedsrichter besser betreuen. Ich hoffe aber, dass an der Sache mit Kiel nichts dran ist."

Jan Schönberg, Torwart HG Hamburg-Barmbek und ehemaliger Handball-Experte unserer Zeitung:

"Ein Desaster für den Handball. Leider gibt es viele Auslegungssachen, darum kann ein Schiedsrichter leicht Einfluss nehmen. Ich weigere mich aber zu glauben, dass die Vorwürfe wahr sind."

Holger Hinz, stellvertretender Abteilungsleiter des VfL Geesthacht:

"Wer das Finale 2007 gesehen hat, weiß, dass da keine Auffälligkeiten waren. Die Betroffenen verhalten sich aber merkwürdig. Man könnte schließen, dass also doch was dran ist. Die Folge könnte sein, dass in allen Spielklassen abspringen. Wir als kleiner Verein sind darauf aber angewiesen."

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