Mixed Martial Arts

Aufmarsch der Gladiatoren

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Hanno Bode

Foto: Bode

Bergedorf. Die Lichter werden gedämmt, künstlicher Nebel in den Saal des "Hit House" gepumpt. Aus den Boxen der Disco am Friedrich-Frank-Bogen dröhnen dumpfe Bässe, eine tiefe und eindringliche Stimme aus dem Nichts erklingt: "Und nun kann es losgehen."

Schritte sind zu hören, Konturen von breitschulterigen Männern zu erkennen. Sie stapfen barfuß in die Mitte des Saals, betreten den dort aufgebauten achteckigen Käfig.

Wortlos nehmen die zumeist tätowierten Kolosse Platz. Einige drücken sich gegen den Maschendrahtzaun, andere beugen sich vor und starren konzentriert zu Boden. Ein im feinen Zwirn gekleideter Moderator stellt die Protagonisten des Abends vor. Sie heißen Erwin Rotacker, Sahand Dorff oder Aleksei Mesenzew. Gleich werden sie ihre Zurückhaltung aufgeben, sich im Käfig mit Händen und Fäusten traktieren. Denn sie sind hier, um sich im Mixed Martial Arts (MMA) zu messen - dem vielleicht härtesten Sport der Welt.

Was übersetzt "gemischte Kampfkünste" heißt und noch relativ harmlos klingt, ist in der Realität eine für den Außenstehenden brutale Auseinandersetzung. Zwar gibt es auch beim "Freefight" oder "Ultimate Fighting", wie der Sport auch genannt wird, inzwischen ein umfangreiches Regelwerk. Doch das Spektrum an erlaubten Techniken ist im Vergleich zu anderen Kampfsportarten groß. So ist es beispielsweise legitim, mit den Fäusten auf einen am Boden liegenden Kontrahenten einzuschlagen oder ihn zu würgen, bis er aufgibt.

Im "Hit House" ist der Nebel inzwischen verzogen, der Auftakt des Kampfabends unter dem Titel "Hamburger Käfig" steht kurz bevor. Rund 200 Zuschauer haben sich von den horrenden Eintrittspreisen - das billigste Ticket kostet 55 Euro - nicht abschrecken lassen.

Es geht gesittet zu im Publikum - viel ruhiger als bei so manchem Boxkampf. Als eine junge Frau "Mach' ihn platt" in den Saal ruft, wird sie sofort lautstark diszipliniert. Veranstalter und die fachkundigen Fans sind bemüht, den Sport aus der Schmuddelecke herauszuholen. Schließlich zeigt das Beispiel Amerika, dass mit den Gladiatoren-Duellen viel Umsatz zu machen ist. Dort ist MMA bereits populärer als Boxen und füllt große Hallen.

Im "Hit House" ist das Publikum inzwischen ein wenig aufgetaut. Als Lokalmatador Benjamin Bunge im Käfig steht, wird es laut. Der Poppenbütteler hat in Jan Tettenborn einen schweren Gegner. Mitte der zweiten von drei Runden liegt Bunge auf dem Boden, sein Kopf ist in den Armen seines Kontrahenten eingeklemmt. "Ruhig atmen", ruft sein Trainer. Der 25-Jährige kann sich tatsächlich aus der misslichen Lage befreien und siegt am Ende durch K.o.

Manchmal geht es während der zehn Duelle brachial zu, überwiegend wird jedoch technisch anspruchsvoll gekämpft. Blutüberströmte Kämpfer gibt es ebenso wenig zu sehen wie Knochenbrüche. Der Umgang der Protagonisten untereinander ist außerhalb des Käfigs bemerkenswert fair - wie einst bei den römischen Gladiatoren.

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