Fußball-WM in Südafrika

"Vor dem Fernseher ist's auch schön"

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Oliver Schröder und Volker Gast

Bergedorf. 475 Tage vor dem Anpfiff zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat im Internet der Ticketverkauf begonnen.

Zwischen 60 und 700 Euro kosten die Eintrittskarten für die 64 Spiele der Endrunde. Noch bis zum 31. März hat jeder auf der Homepage www.fifa.com die Möglichkeit, seinen Anspruch auf bis zu vier Tickets pro Spiel anzumelden. Bei den Fußballanhängern im Heimatgebiet ist das Interesse jedoch gering.

Der Verkauf komme viel zu früh, findet der designierte Trainer des SC Vier- und Marschlande, Jan Schönteich. "Bevor ich mich mit dem Thema Ticketbewerbung auseinandersetze, muss sich unsere Nationalmannschaft erst einmal qualifizieren", betont er. Sollte die Löw-Elf ihr Ziel erreichen, will Schönteich jedoch sein Glück versuchen. "Auf jeden Fall behalte ich einen Aufenthalt in Südafrika im Hinterkopf", stellt er in Aussicht, "den würde ich mit einem Urlaub verbinden. Ich gehe davon aus, auch vor Ort ein Ticket bekommen zu können." Doch er hat auch Bedenken: "Auf die Stromversorgung sehe ich bei so vielen Fernsehteams und den modernen Stadien Probleme zukommen."

Sorgen, die der 1. Vorsitzende des SV Börnsen, Georg Buch, nur unterstreichen kann: "Als freiberuflicher Berater hielt ich mich im vergangenen Jahr sechsmal in Südafrika auf und musste feststellen, dass dieses Land noch weit davon entfernt ist, eine gute Infrastruktur vorzuweisen. Eine zu geringe Anzahl an Bussen und Hotels werden der erwarteten Menge an Touristen keineswegs gerecht. Zudem darf der Kriminalitätsfaktor nicht unterschätzt werden. Außerhalb des Stadtkerns ist jedes Hotel besonders abgesichert." So will sich Buch auch nicht um Tickets bemühen. "Mit diesem Thema habe ich mich aber auch bei der EM 2008 und der vergangenen Weltmeisterschaft nicht auseinandergesetzt."

Doch nicht alle erwarten ein organisatorisches Chaos. "Lasst die Südafrikaner machen, sie werden es auf ihre Weise hinbekommen", beschwichtigt Bergedorf-85-Trainer Manfred Nitschke. "Südafrika wird ein gutes Turnier ausrichten"; stimmt Werner Nietner, Trainer des SV Bergedorf-West, zu, "aber mir fehlt der Ehrgeiz, eine Karte bekommen zu wollen." Auch Frank Gläser, Trainer des ETSV Hamburg, sieht das Bewerbungsverfahren als "Belastung" an und lehnt es ab. Den Coach des VfL Lohbrügge, Sven Schneppel, plagen dagegen ganz andere Sorgen: "Durch meine Flugangst müsste ich mit dem Schiff dorthin reisen. Das ist mir dann doch zu weit weg."

Die meisten verzichten also auf Live-Eindrücke vor Ort. Der Trainer des TuS Aumühle-Wohltorf, Volker Schmidt, liefert stellvertretend für viele die Begründung: "Vor dem Fernseher ist's doch auch schön!"

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