Habimani Shabani

"Ich will endlich eine Entscheidung"

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Florian Neuhauss

Bergedorf. Die Zeit vergeht für Habimani Shabani quälend langsam. Nicht nur, dass der ehemalige Liga-Fußballer von Bergedorf 85 und des VfL Lohbrügge seine Karriere im vergangenen Sommer wegen eines Knorpelschadens im Knie beenden musste.

Weil ihm die Innenbehörde seit seiner Ankunft in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung versagt hat, darf er auch nicht arbeiten. Qualvoll vergehen die Tage aber vor allem, weil dem 34-Jährigen die Abschiebung droht. Morgen oder erst in ein paar Monaten kann Post vom Gericht in seinem Briefkasten sein. "Ich will nur endlich eine Entscheidung", sagt Shabani verzweifelt. "Ich habe zu viel Zeit zum Nachdenken."

Noch vor 15 Jahren verschwendete er keinen Gedanken daran, Burundi für längere Zeit hinter sich zu lassen. Zwar verließ der lebensfrohe Mann sein Heimatland regelmäßig. Das aber auch nur, weil er mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Ein Dutzend Mal trug er die Landesfarben.

Den Höhepunkt seines Wirkens erlebte der rechte Mittelfeldspieler im Jahr 1992, als Ghana mit Anthony Yeboah (später beim HSV) in Burundis Hauptstadt Bujumbara gastierte. Die Gastgeber siegten vor gut 30 000 Zuschauern 1:0. "Das war einfach unglaublich", erinnert sich Shabani.

Als wieder eine Länderspiel-Reise bevorstand - Burundi traf in Gabun auf Guinea - musste die Nummer elf wegen Kniebeschwerden zu Hause bleiben. Und just in diesen Tagen putschte das Militär, tötete Präsident Ndandaye. Jahre des Bürgerkriegs folgten, Tausende starben. Bis heute ist das Land nicht wieder zur Ruhe gekommen. 1996 floh Shabani schließlich über Tansania und Zaire nach Deutschland. Kontakt hat er nur noch zu seiner Schwester Bahati. Ihm fehlt allerdings das Geld, sie regelmäßig in Bujumbara anzurufen. Ob seine übrigen neun Geschwister und seine Mutter überlebten, weiß er nicht. Sein Vater starb in den Unruhen.

Shabanis Aufenthalt in der Bundesrepublik stand derweil von Beginn an unter einem schlechten Stern. Die Behörden glaubten dem 22-Jährigen seine Geschichte nicht. Anstatt ihm Asyl zu gewähren, wurde er nur geduldet (siehe Kasten), weil eine Abschiebung in das Krisengebiet unmöglich war.

Immerhin konnte er Fußball spielen. Vom Kreisligisten Walddörfer SV, den er in einem halben Jahr zum Aufstieg schoss, wechselte er ohne Umweg zum 1. FC Norderstedt in die Regionalliga. "Er war technisch eine Augenweide", blickt "85"-Manager Rüdiger Schwarz zurück, der beim 1. FC damals Kotrainer war und ihn auch nach Bergedorf holte. Insgesamt spielte der gelernte Klempner sieben Jahre für die "Elstern" und in Lohbrügge.

Eigentlich könnte Shabani, weil er bereits zwölf Jahre in Deutschland ist, eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Doch ein Abstecher nach Belgien droht ihm zum Verhängnis zu werden. "Meine Tochter Alida war dort. Ich hatte sie so lange nicht gesehen", sagt der stolze Papa. Die Behörde bezweifelt jedoch, dass er wirklich nur zehn Tage außer Landes war, will ihm die Genehmigung versagen und ihn abschieben, weil Burundi den Status als Krisengebiet offiziell verloren hat. "Hamburg handelt im Ausländerrecht sehr restriktiv. Die Chancen, dass er bleiben darf, stehen nur bei 40:60", sagt Shabanis Anwalt Carsten Chrubassik. Doch wann fällt die Entscheidung? Die Zeit vergeht quälend langsam.

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