Leichtathletik

"Ein ungeschliffener Rohdiamant"

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Dirk Schulz

Schwarzenbek. Bei der norddeutschen Meisterschaft in der Berliner Rudolf-Harbig-Halle brauchte Stefan Schwab noch nicht einmal alles zu geben. Zu überlegen dominierte der Sprinter vom TSV Schwarzenbek die Konkurrenz über 60 Meter.

Schon nach zwei Dritteln der Strecke konnte es sich der 21-Jährige erlauben, ins Ziel auszutrudeln. Dennoch lag er am Ende noch 0,14 Sekunden oder rund 1,5 Meter vor dem Zweitplatzierten George Petzold vom SCC Berlin. "Ich bin nicht volles Risiko gegangen", sagte der Verwaltungswirt, dessen Siegerzeit am Ende 6,70 Sekunden betrug. Schließlich wollte Schwab nicht durch übertriebenen Ehrgeiz seine Chancen auf einen Start bei der Hallen-Europameisterschaft in Turin aufs Spiel setzen.

Seit seinem Erfolg in neuer Landesrekordzeit (6,65 sec.) bei der gemeinsamen Meisterschaft von Hamburg und Schleswig-Holstein mit der er auch die EM-Norm knackte, plagt den Schulendorfer nämlich eine hartnäckige Verhärtung im rechten Oberschenkel. Und die muss bis zur Hallen-DM in Leipzig (21./22. Februar) auskuriert sein, wenn er von Bundestrainer Klaus Jakobs eins der begehrten EM-Tickets ergattern will - die Norm zu laufen, reicht allein nicht aus.

Dennoch traut der verantwortliche Übungsleiter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für den Bereich Sprint Schwab eine erfolgreiche Zukunft zu. "Stefan ist ein ungeschliffener Rohdiamant", sagt Jakobs. "Er hat riesiges Potenzial, muss sich technisch aber noch stabilisieren. Und: Man darf nicht zuviel von ihm erwarten."

Dass dies nicht geschieht, dafür sorgt der schnelle Beamte von der Kfz-Zulassungsstelle in Lanken schon selbst. Flotte Sprüche klopfen, ist nicht sein Ding. "Es bringt doch nichts groß rumzuposaunen", sagt Schwab. Er lässt lieber Taten sprechen. Das soll aber nicht heißen, dass er seine Messlatte nicht hoch ansetzt.

Der 21-Jährige will im Sommer zur U 23-Weltmeisterschaft, bei der "Deutschen" in den Endlauf und träumt von einem Staffelstart bei der WM in Berlin. Dafür muss er seine Bestzeit über 100 Meter (10,29 Sek.) wohl mindestens auf die von ihm anpeilten vier Hundertstelsekunden verbessern. "Und er muss seine Staffelfähigkeiten zeigen", betont Jakobs. "Für Deutschland ist die Staffel die einzige Chance im Konzert der großen Sprintnationen mitzumischen."

Entsprechend akribisch wird hierzulande trainiert. Darum fuhr der TSV-Athlet 2008 auch nicht mit zu den Olympischen Spielen nach Peking, obwohl er Zweiter bei der deutschen Meisterschaft war. Schwab hatte das Staffeltrainingslager im Frühjahr wegen seiner Ausbildung sausen lassen. Diesmal wird ihm dies nicht passieren. "Ich habe Urlaub und Überstunden angespart, damit ich viel freinehmen kann", erzählt der 21-Jährige. Trotz Vollzeit-Job quält er sich fast täglich im Training, bekommt lediglich 75 Euro Sporthilfe monatlich. "Da zahlt man viel drauf", weiß Schwab. Seit 1. Januar hat er zusätzlich immerhin einen Ausrüstervertrag mit einem bekannten Sportartikelhersteller. Und der zahlt eine Erfolgsprämie sollte Schwab die 10,25 Sekunden knacken.

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