Leichtathletik

Schwab stürmt in EM-Norm zum Titel

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Volker Gast

Hamburg. Wütend riss sich Andreas Lange (LG Reinbek-Ohe) seine Startnummer vom verschwitzten Trikot und schleuderte sie in eine Ecke der Leichtathletik-Halle in Hamburg-Alsterdorf. Sehen so etwa Sieger aus? Doch, manchmal schon.

Schleswig-Holsteinische und Hamburger Landesmeisterschaften der Leichtathleten.

Bis zum Schluss hatte ein verbissen kämpfender Lange über 800 Meter der Männer alle Angriffe abgewehrt und war schließlich in 1:55,09 Minuten schleswig-holsteinischer Meister geworden.

Eigentlich ein Grund zur Freude, doch der Erfolg vermochte ihn kaum zu trösten. "Ich bin einfach zu langsam angegangen. Jetzt ist so eine schlechte Zeit dabei herausgekommen. Ich hatte mir schon etwas um 1:54 Minuten herum vorgestellt", ärgerte er sich.

Andere freuten sich da bei den gemeinsamen Landesmeisterschaften von Schleswig-Holstein und Hamburg schon mehr über ihre Siege, beispielsweise Kerstin Jäckel (TSG Bergedorf), die in souveräner Manier den Dreisprung der Frauen gewann. Gleich vier ihrer Versuche waren weiter als die ihrer Konkurrentinnen. Mit einer Siegesweite von 10,34 Metern war sie zudem die einzige, die die Zehn-Meter-Marke überwand.

Oder Max-Julian Kiesel vom TSV Schwarzenbek, der mit 1,81 Metern höhengleich mit Tim Bischoff von der SG Kaltenkirchen/Lentföhrden den Hochsprung der B-Jugendlichen gewann, weil er einen Versuch weniger benötigt hatte.

Oder Rebecca Krümpelbeck (TSG Bergedorf), die in sehr guten 57,64 Sekunden das 400-Meter-Finale der Frauen gewann.

Überstrahlt wurden diese Leistungen jedoch von der beeindruckenden Vorstellung des Sprinters Stefan Schwab (TSV Schwarzenbek). Über 60 Meter deklassierte er die Konkurrenz und stürmte in 6,65 Sekunden zum Titel. Das war nicht nur neue persönliche Bestleistung und Landesrekord, sondern auch die Erfüllung der Norm für die Hallen-Europameisterschaft Anfang März in Turin. " Ich hatte schon geplant, hier eine Zeit unter 6,7 Sekunden zu laufen, um die Norm möglichst früh in der Saison zu erfüllen", stellte Schwab klar. Wie gut er bereits in Form ist, machte dann sein Sieg über die von ihm selten gelaufenen 200 Meter in 21,79 Sekunden deutlich.

Eine Formüberprüfung strebte auch das Ausnahme-Talent Jule Aßmann (LG Glinde) an, die über 3000 Meter in der Damen-Konkurrenz an den Start ging. Doch schnell wurde deutlich, dass die 15-Jährige einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Nur drei Runden lang hielt sie das mit ihrem Vater und Trainer Holger Aßmann abgesprochene Tempo von 40 Sekunden pro Runde durch. Dann wurden ihre Schritte immer schwerer, sie musste drei Konkurrentinnen passieren lassen und brach in der Folge völlig ein. "Das ist bei mir leider so, dass ich, wenn ich merke, dass es nicht geht, dann ganz einbreche", analysierte Jule Aßmann selbstkritisch. Am Ende musste sie sich von der Siegerin Julia Lange (Hamburger SV/9:46,11 Minuten) sogar überrunden lassen ("Etwas peinlich war das schon.") und kam in 10:36 Minuten als Vierte ins Ziel, einer Zeit, die weit über ihren Erwartungen lag.

Doch schnell fand sich Trost. Andreas Lange entdeckte die enttäuschte Aßmann, ging zu ihr und sagte: "Sei nicht traurig, Jule. Die Luft hier drin ist einfach schlecht."

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