Curling

Vom richtigen Gefühl fürs Rutschen

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Dirk Schulz

Hamburg. Kalt, lausig kalt ist es in der Halle des Curling Club Hamburg. Die Temperaturen an der Hagenbeckstraße liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Ich verfluche mich, dass ich Handschuhe und Mütze zu Hause gelassen habe.

Das hält aber nicht lange an. Denn bevor ich bei meiner ersten Übungsstunde einen der rund 20 Kilogramm schweren Granitsteine über das Eis schieben darf, muss ich mich erst mit dem Untergrund vertraut machen. Und dabei kann einem schnell warm werden - vor allem, wenn man so unbeholfen übers Eis schliddert wie ich.

Als Linkshänder habe ich mir zuvor unter meinen rechten Turnschuh eine gamaschenartige glatte Teflonsohle geschnallt - den sogenannten Slider (englisch: Gleiter). "Aber Vorsicht", warnt mich Trainer Felix Schulze vom Curling Club. "Das Eis immer mit der stumpfen Sohle zuerst betreten." Augenblicke später - ich habe den Ratschlag bereits wieder vergessen - kann ich eine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Eis gerade noch so abwenden. "Die stumpfe Sohle zuerst", rufe ich mir ins Gedächtnis. Jetzt kann's losgehen.

Beim Curling treten zwei Teams bestehend aus vier Akteuren gegeneinander an. Pro Durchgang (End) werden abwechselnd 16 Steine gelegt - so der Fachausdruck. Jeder Curler setzt von der Startposition (Hack) zwei Spielgeräte in Bewegung des Zielkreises am anderen Ende der Bahn. Pro Stein, der näher am Mittelpunkt in rund 38,5 Metern Entfernung liegen bleibt als der nächste Stein des Gegners, gibt es einen Punkt. Profis geben dem Stein eine Drehung mit auf den Weg. Je nachdem in welcher Richtung diese Drehung erfolgt, beschreibt der Stein eine Links- oder Rechtskurve und kann im Weg befindliche Steine passieren. Daher auch der Ausdruck Curling vom englischen Wort "curl" (kreiseln).

Mein erster Stein schießt stattdessen schnurgerade mit voller Wucht über das Haus hinaus und wird mit einem lauten Knall erst von der hölzernen Begrenzung am Ende der Bahn gestoppt. Zuvor hatte ich mich vorschriftsmäßig mit dem Slider vom Startblock abgestoßen, war auf der Teflonsohle sowie dem Knie des anderen Beins über das Eis gerutscht und konnte mit dem Curlingbesen in der anderen Hand das Gleichgewicht nur mühsam halten. Allerdings bekommt man das richtige Gefühl fürs Rutschen relativ schnell heraus.

Die passende Geschwindigkeit, mit der die Steine die Hand verlassen müssen, ist indes nur schwer zu taxieren. Doch hier kommen die Teamkameraden ins Spiel. Durch ihren Wischeinsatz mit einem Besen vor dem gleitenden Stein können diese noch reichlich Boden gutmachen. Und dabei kann man auch derart ins Schwitzen kommen, dass Handschuhe und Mütze schnell überflüssig werden.

* Wer Curling unter Anleitung ausprobieren möchte, hat beim Curling Club Hamburg dazu Gelegenheit. Anmeldung bei Sabine Belkofer unter der Telefonnummer (040) 414 64 00.

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