Interview

2008 - Ein emotionales Auf und Ab

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Olaf Lüttke

Kirchwerder. Hinter Martin Harnik liegt das ereignisreichste Jahr seiner noch jungen Karriere als Fußball-Profi. Nach dem Höhepunkt, der Europameisterschaft im Juni, holte ihn der Alltag schnell wieder ein.

In der Bundesliga spielte er für Werder Bremen in der Hinrunde ganze 23 Minuten. Am 11. Oktober folgte der nächste Rückschlag für den 15-maligen österreichischen Nationalspielers. Der 21-Jährige zog sich in der Partie gegen die Färöer Inseln einen Bändereinriss im linken Sprunggelenk zu, von dem sich der gebürtige Kirchwerderaner noch nicht erholt hat.

Herr Harnik, wie weit ist Ihre Genesung vorangeschritten?

Zuerst sagten mir die Ärzte, dass ich in drei Wochen wieder spielen könne. Doch es hat mich schlimmer erwischt, als zunächst gedacht. Es wurde zusätzlich ein Knochen-Ödem festgestellt. Mittlerweile bin ich schon zehn Wochen verletzt. Ich hoffe dennoch, dass ich im Laufe des Januars wieder ins Training einsteigen kann.

Wo werden Sie dann spielen? Angeblich sind der 1. FC Köln und Arminia Bielefeld an Ihnen interessiert.

Zurzeit gibt es für mich nur Werder Bremen. Von anderen Vereinen liegen keine konkreten Angebote vor.

Ist Werder nicht eine Nummer zu groß für Sie? Wäre eine Ausleihe nicht das Beste?

Das ist natürlich auch abhängig von meiner Verletzung. Trainer Thomas Schaaf hat mir noch einmal gesagt, dass Werder mich nicht verkaufen will und ich mich in Bremen durchsetzen soll. Für einen Spieler, der aus der eigenen Jugend kommt, ist das natürlich schwerer, als für einen, den der Verein von außen holt. Das macht es aber auch besonders reizvoll.

Würden Sie auch in die 2. Liga wechseln?

Ich brauche in erster Linie Spielpraxis. Daher wäre das nicht abwegig.

Wie haben Sie das Jahr 2008 aus sportlicher Sicht erlebt?

Es war ein emotionales Auf und Ab. Nach der EM war ich voller Euphorie, wollte mich bei Werder durchsetzen. Dass ich dann keine Einsätze bekommen habe, war eine große Enttäuschung. Doch ich habe den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Dann kam die Verletzung. Das muss man erst mal alles verarbeiten.

Zu welchen Spielern bei Werder haben Sie viel Kontakt?

Am Anfang habe ich mich nicht einmal getraut, einen anzusprechen. Jetzt treffe ich mich regelmäßig mit Per Mertesacker, Clemens Fritz, Sebastian Prödl und Peter Niemeyer. Wir gehen essen oder spielen Play-Station.

Was würden Sie einem jungen Fußballer raten, der Profi werden will?

Eine Grundvoraussetzung ist Talent. Allerdings habe ich in der Hamburger Auswahl Spieler erlebt, die begabter waren als ich. Daher sind auch Ehrgeiz, Disziplin und die richtige Einstellung sehr wichtig. Und Unterstützung aus der Familie. Ohne meine Eltern hätte ich es nicht geschafft.

Wie haben Sie das als Jugendlicher mit der Disziplin hinbekommen?

Das war schon schwer, wenn meine Kumpels am Montag in der Schule erzählten, wie sie auf den Putz gehauen haben und ich nur sagen konnte, dass ich 90 Minuten für den SCVM gespielt habe.

Letzte Frage: Wo werden Sie Weihnachten verbringen?

Bei meiner Familie in Kirchwerder. Ich gedenke, in die Kirche zu gehen und am Abend gibt es Fondue.

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