Bergedorf 85

Was David Berwecke Frings voraus hat

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Volker Gast

So richtig heimisch ist er bisher nirgendwo geworden. Sechs Jahre lang wechselte David Berwecke jeden Sommer zu einem anderen Verein: Hamburger SV II, Meiendorfer SV, Kickers Emden, SV Wilhelmshaven, Eintracht Norderstedt, SV Lippstadt 08 und jetzt Bergedorf 85: eine wahre Fußball-Odyssee.

Der 26-jährige Mittelfeldspieler der "Elstern" ist nach sechswöchiger Verletzungspause wieder fit.

"Das hat sich halt immer so ergeben", blickt der 26-Jährige zurück. Doch nun, bei den "Elstern", könnte alles anders werden. "Das Training ist hier zwar nicht wie bei den Vollprofis, aber es ist eine junge Mannschaft und ich fühle mich hier sehr wohl."

Solche Worte gewinnen an Bedeutung angesichts dessen, was Berwecke in den vergangenen Wochen durchmachen musste. Noch Mitte September schien es so, als sei der nur 1,66 Meter große offensive Mittelfeldspieler in dieser Saison überhaupt nicht aufzuhalten. Beim 4:1-Sieg gegen den Niendorfer TSV bot er sein bisher bestes Spiel im "Elstern"-Trikot, erzielte zwei Tore und bereitete ein drittes vor. Doch nur zwei Wochen später kam das Aus. Beim 1:1 in Norderstedt musste er bereits nach 30 Minuten mit hartnäckigen Leistenproblemen passen. Der Arzt diagnostizierte eine besonders schwere Zerrung. Eineinhalb Monate lang war er zum Zuschauen verdammt. In dieser Woche konnte er nun das erste Mal wieder voll mittrainieren. "Ich hoffe, dass ich am Wochenende zum Einsatz komme, aber man muss abwarten: Training und Spiel sind nicht dasselbe", bleibt der 26-Jährige vorsichtig.

Vor dem Heimspiel gegen den SC Concordia (Sonnabend, 15 Uhr, Sander Tannen) hat "85"-Trainer Manfred Nitschke nun also ein Luxus-Problem. Denn die Stammelf erspielte zuletzt sechs Punkte in zwei Partien. "Diejenigen, die zuletzt beim 2:1 in Lurup angefangen haben, die haben das gut gemacht", lobt Nitschke, "ich finde, dass sie sich damit das Vorrecht erspielt haben, im nächsten Spiel wieder anzufangen."

Somit dürfte es sich Berwecke wohl zunächst einmal auf der Ersatzbank bequem machen müssen. Doch Unruhen wie bei der Nationalmannschaft, wo das Herauslassen von Torsten Frings einen Sturm im Wasserglas auslöste, sind für Werder-Bremen-Fan Nitschke bei den "Elstern" nicht zu befürchten. "Frings' Verhalten hat mich enttäuscht", betont er, "wenn ich gut bin, brauche ich doch keine Stammplatz-Garantie. Da hat David Berwecke ihm von der Einstellung her einiges voraus." Über kurz oder lang dürfte dem technisch versierten Mittelfeldspieler der Sprung in die "85"-Startelf ohnehin gelingen.

Die Aufgabe gegen den SC Concordia am morgigen Sonnabend wird so oder so schwer genug. "Cordi" ist die Mannschaft der Stunde. Unter ihrem neuen Coach, der Ex-Elster Andreas Reinke, fuhren die Marienthaler zehn Punkte in fünf Spielen ein. Und sogar ihre chronische Auswärtsschwäche (schon fünf Niederlagen) überwanden sie zuletzt durch ein 4:1 in Egenbüttel. Bergedorf 85 ist also gewarnt - mit oder ohne Berwecke.

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