Boxen in Bergedorf

Schönheitskönigin gegen Studentin - Boxen für Afghanistan

| Lesedauer: 5 Minuten
Jan Schubert
Bei den bösen Blicken kann das ja ein netter Boxkampf werden: Lisa Krüll (l.) und Maribel Wölfler, hier unter dem strengen Auge von Ring-Routinier Gerhard Müller, stehen sich am Sonntag im Viereck gegenüber.

Bei den bösen Blicken kann das ja ein netter Boxkampf werden: Lisa Krüll (l.) und Maribel Wölfler, hier unter dem strengen Auge von Ring-Routinier Gerhard Müller, stehen sich am Sonntag im Viereck gegenüber.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Im Hauptkampf treten zwei Künstlerinnen gegeneinander an: Zu sehen bei der Freiluft-Gala auf dem Gelände vom Limousinenservice.

  • Bei der Künstler-Charity-Boxgala am Sonntag in Bergedorf fliegen acht Frauen-Fäuste im Freiluft-Ring für den guten Zweck
  • Ex-Boxweltmeister Juan Carlos Gomez trainiert die vier Kämpferinnen

In manchen Ländern würde das, was sich Claudia, Lisa, Maaike und Maribel in knappen Shorts trauen, sehr hart bestraft werden. Peitschenhiebe, Abschneiden von Körperteilen oder gar die Hinrichtung – das droht afghanischen Frauen in ihrer Heimat, wenn die Taliban sie in bunter Kleidung, lackierten Fingernägeln oder in der Schule antreffen würden. Sport, gar Boxen? Unmöglich in dem derzeit arg gebeutelten Land. Doch die unterdrückten Frauen erhalten jetzt ein starkes Zeichen aus Lohbrügge – von vier schlagkräftigen Damen, die sagen: „Unsere Kämpfe haben geballte Aussagekraft.“

Jura-Studentin gegen Schönheitskönigin, dazu das Duell zweier Künstlerinnen – darauf dürfen sich 250 Gäste am kommenden Sonntag, 5. September, auf dem Werksgelände vom Limousinenservice „Deine Limo“ am Rudorffweg 21 freuen. Bei der Künstler-Charity-Boxgala fliegen acht feminine Fäuste im Freiluft-Ring für den guten Zweck – zum einen für die Flutopfer in Deutschland, zum anderen für die „Siddiqi Foundation“ in Afghanistan, der Hilfsorganisation des Gastgebers der Gala, Hamid Khawaja, Chef von „Deine Limo“. Der 41-Jährige baut mit „Siddiqi“ Waisenhäuser und Schulen in seiner Heimat, war zuletzt noch im Juni da, „zwei Wochen, bevor die Taliban das Land erobert haben“, sagt Khawaja.

„Eine Art Promi-Boxen, bloß mit Künstlerinnen“

Seine Idee muss unterstützt werden – dachten sich einige Sponsoren sowie der Hamburger Traditionsboxverein „BC Sportmann“. Normalerweise organisiert BC stets am Nikolaustag einen großen, wohltätigen Boxabend – doch der musste zuletzt ausfallen. „Deshalb haben wir unsere Gala in diesem Jahr vorgezogen“, sagt Organisator Jimmy Jamal Abboud, der dann mit Khawajas Parkplatz die ideale Sommer-Arena vorfand. „Unser erster Gedanke war eine Art Promi-Boxen, bloß mit Künstlerinnen“, erklärt Abboud die pfiffige Idee.

Selbstverständlich besitzt der 46-Jährige auch Kontakte in die Künstlerszene – und sprach die Digital-Art-Künstlerin Claudia Tejeda (40) an, die seit Oktober 2020 regelmäßiger Gast im Fitnessclub ist. Der selbst ernannte „Genießertyp“ mit argentinischen Wurzeln musste nicht lang gebeten werden: „Ich trainiere seit fünf Wochen für diesen Kampf, bin positiv aufgeregt. Ich liebe Herausforderungen.“ Sollte sie einen Schwinger einstecken, ist Tejeda nicht bange: „Ein blaues Auge kann ja auch eine Form von Kunst sein.“

Niederländerin liebt Pin-up-Girls als Motiv

Ob ausgerechnet eine Berufskollegin ihr im Hauptkampf ein solches verpasst? Maaike Dirkx (47) ist bekannt für klassische Malerei, als Motive liebt die Niederländerin Pin-up-Girls, also sehr leicht bekleidete, selbstbewusste Frauen. „Natürlich, Frauen müssen eigenständig sein“, sagt die motivierte Dirkx mit Blick auf die unwürdigen Zustände in Afghanistan.

Vor dem Künstler-Clash treffen diese Damen im zweiten Hauptkampf im Original-Boxring aufeinander: Bei Maribel Wölfler muss die Frage erlaubt sein, wann sie überhaupt Zeit für Sandsack, Liegestütze und Punching Ball findet. Schönheitskönigin, Model, Krankenschwester – doch auch die 50-Jährige ist seit fünf Wochen eisern dabei: „Vor allem das Sparring macht mir Spaß“, sagt die Frau mit philippischen Hintergrund, „ich finde es unglaublich wichtig, dass ich den Leuten, sowohl Flutopfern als auch den Afghanen, damit helfen kann.“

Ex-Weltmeister Juan Carlos Gomez trainiert die Frauen

Ihre Gegnerin kam jüngst dazu: Lisa Krüll (26) ist die Tochter von Stephan Krüll, Chef der Galerie Popstreet.Shop und Unterstützer des Boxnachmittags. Die Studentin erfuhr erst vor wenigen Tagen von ihrer boxerischen Prüfung nach der Rückkehr aus dem Spanien-Urlaub. Doch sie hat keine Angst vor dem Generationenduell: „Ich mache ansonsten auch viel Sport, bin unglaublich ehrgeizig, mag es überhaupt nicht, zu verlieren.“

Trainiert werden die vier Kämpferinnen übrigens von einem echten Champion: dem in Hamburg lebenden Ex-Boxweltmeister Juan Carlos Gomez, einem gebürtigen Kubaner. Er sorgt dafür, dass die Frauen Power für drei Runden à 90 Sekunden haben.

Weltrekord im Kokosnuss-Knacken soll geknackt werden

Bis Gomez seinen Schützlingen allerletzte Tipps am Sonntag vor dem Weg in den Ring gibt, wird auch ein veritabler Spannungsbogen mit reichlich, familiengeeignetem Unterhaltungsprogramm geschlagen: Um 15 Uhr geht es im Open-Air-Ring los, zunächst mit Vorkämpfen. Die Sängerinnen „Dalila“ und „Rawdia“ sorgen vor den Hauptevents für die Einlaufmusik.

Hauptsache bleibt aber der doppelte gute Zweck. Eintritt wird nicht erhoben, eine Spende ist aber sehr erwünscht. Auf einer VIP-Terrasse werden Getränke und Fingerfood verkauft. Außerdem gehen zehn Prozent des Verkaufs von Kunstwerken von Maaike Dirkx und Claudia Tejeda ebenfalls an die gute Sache.

Beide Künstlerinnen werden in einem Linienbus von Hamid Khawaja verschiedene Exponate zum Verkauf anbieten. Moderiert wird der Kampf-Marathon vom renommierten Ringsprecher Gerhard Müller. Zwischen all den fliegenden Fäusten fliegt dann auch noch eine flache Hand – beim Weltrekordversuch im Kokosnuss-Zerschmettern.

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