Hamburg. Yannick-Maria Reimers will Menschen Spaß an anderen Rollen vermitteln. Reimers selbst half das Schauspiel aus einer tiefen Krise.

Früh hat Yannick-Maria Reimers die Mutter verloren und damit auch den Lebensmut. Das Theaterspielen hat den kreativen Menschen wieder ins Leben geholt. „Es hat mir geholfen, aus mir rauszukommen, wieder Gefühle zuzulassen und meine Schüchternheit zu überwinden“, erzählt Yannick-Maria Reimers.

Das war vor über zehn Jahren, als Reimers Vater sein Kind damals zum Mitmachen bei einer Hamburger Theatergruppe des Vereins „Werte erleben“ motiviert hat. Das war der Startschuss für Reimers Schauspiel-Leidenschaft – diese will Reimers jetzt an anderen Menschen weitergeben – bei einem neuen Kurs für Improvisationstheater ab 24. Juni im Bergedorfer Plietsch (Sachsentor 23).

Neues Improvisationstheater ab Ende Juni im Plietsch

„Ich habe Rollen im Deutschen Schauspielhaus, dem Thalia–Theater und bei Kampnagel gespielt. In Cornelia Funkes Geisterritter spielte ich rund zwölf Rollen am Thalia.“ Doch in der Branche gehe es oft schwierig zu, denn häufig herrschten hier Neid, Lästereien und Konkurrenzdenken. Und genau das soll es eben beim Improtheater nicht geben, sondern allein die Freude am Rollenspiel.

„Wir spielen miteinander und nicht gegeneinander. Niemand steht im Vordergrund oder wird abgewertet. Ich wollte mit der Gründung vom Improtheater Hamburg zeigen, dass es auch anders geht. Viel zu oft hören und erleben wir Negatives mit anderen Menschen. Hier sollen positive Erfahrungen entstehen“, betont Reimers. Auf dem Kursprogramm stehen Improvisationsübungen sowie Einheiten zur Stimme, Körperhaltung und Mimik. Laut Reimers eignen sich die spontanen, kurzen Einheiten auch für Menschen mit Sprachbarrieren oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Yannick-Maria Reimers ist nicht-binär und möchte Vielfalt erleben

Yannick-Maria Reimers ist nicht-binär. Das sind Menschen, die sich weder als Mann oder als Frau identifizieren. „Die richtige Anrede ist oft eine meiner größten Herausforderungen mit anderen Menschen. Ich werde fast täglich in die weibliche oder männliche Schublade sortiert. Mal ist so etwas nicht schlimm, aber über die Monate und Jahre ist das irgendwann wie der Tropfen Wasser, der über die Zeit selbst Stein durchbohrt. Oder eben ein Herz“, sagt Reimers.

Yannick-Maria-Reimers macht es glücklich, sich bei der Arbeit im Kunst- und Kulturkreis mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, unterschiedlichen Alters und Geschlechts auszutauschen. „Ich möchte Vielfalt leben und erleben“, betont Reimers.

Improtheater soll stets für neue Besucher offen sein

Das mache die Freude aus, genauso wie beim Improtheaterkurs. Gedacht ist es für Menschen jeden Alters, von zwölf bis 200 Jahren. „Die Vielfalt der Menschen und die unterschiedlichen Lebensphasen machen den Kurs aus“, sagt Yannick-Maria Reimers. Unterschiedliche Generationen könnten sich gegenseitig neue Impulse geben und sich gegenseitig inspirieren.

„Das Improtheater soll in erster Linie Spaß machen und den Teilnehmenden einen geschützten Raum bieten, sich auszuprobieren“, betont Reimers. Das Improtheater Hamburg leitete Reimers bereits sechs Jahre, bevor es in der Corona-Zeit ausgesetzt werden musste. Jetzt startet es in Bergedorf wieder neu. Diesen Kurs möchte Reimers auf fünfzehn Personen begrenzen und wünscht sich, dass daraus eine feste Gruppe entsteht, in der auch immer wieder neue Menschen reinschnuppern können.

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„Ein fester Kern und Platz, um immer wieder neue Menschen kennenzulernen“, meint Reimers mit einem warmen Lächeln. Für diese kreative Person sind solche Projekte eine lebensverändernde Herzensangelegenheit, denn dies erlebte Reimers so als Kind selbst mit dem Vater. Neben dem Theaterspielen soll die Stimme, Körperhaltung und Mimik trainiert und das Selbstvertrauen und die soziale Kompetenz gestärkt werden.

Kurs findet zweimal im Monat statt

Der Kursus beginnt am 24. Juni und findet jeweils am zweiten und vierten Montag im Monat in der Zeit von 19 bis 20.30 Uhr statt. Der Ort sind die Räumlichkeiten des Plietsch (Sachsentor 23). Die Kosten betragen für feste Mitglieder 15 Euro pro Workshop (30 € im Monat) und zum Reinschnuppern 20 Euro. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an info@wokeworld.eu.