Hamburg. Ein Wochenende vor dem Saisonstart proben die Mitglieder den Ernstfall. Beim Wachdienst gibt es eine ganz besondere Herausforderung

Der 1. Juni ist Stichtag. Ab kommenden Sonnabend können sich alle Wochenend-Schwimmer auf den Wachdienst am Allermöher See verlassen. „Nachmittags von zwei bis sieben, da können sie die Uhr nach stellen“, garantiert Helge von Appen. Schon immer im Verein, hat von Appen mit dem 2006 in Müssen gegründeten „Sicheres Wasser“ e.V. (SiWa) nach zwei Jahren Pause jetzt wieder Fahrt aufgenommen. Neue Rettungsschwimmer aus Jugendzentren, Schulen oder „vom Strand weg“ angeworben, unterstützen die erfahrene Badeaufsicht. Dienst schieben die ausgebildeten Rettungsschwimmer an den Wochenenden und in den Sommerferien jeden Tag.

Helge von Appen ist froh, damit endlich wieder in ausreichender Personalstärke in Neuallermöhe präsent zu sein. Neben der Badelagune in Müssen und dem Sommerbad in Altengamme ist in dort erfahrungsgemäß immer viel los. Um für den großen Ansturm gerüstet zu sein, traf sich das SiWa-Team mit den Staffelführern und seinem frisch gekürten Vorsitzenden Sergej Berger am Sonnabend zu einem Probelauf vor Ort.

Rettungsschwimmer der SiWa proben für den Saisonstart

„An einem heißen Sommertag sind hier bis zu 5000 Leute“, weiß Sergej Berger. Um auch an solchen Tagen die Übersicht zu behalten, braucht es Struktur und Disziplin. Passend dazu schallen schon die ersten Ansagen über die Wiese. Die SiWa-Rettungsstaffel wurde nach Strukturen der Feuerwehr aufgebaut. Entsprechend streng sind die Hierarchien, nach denen die Rettungskette funktioniert. „Das klingt jetzt etwas rau, gibt sich aber, wenn wir eingespielt sind“, kommentiert eine langjährige Rettungsschwimmerin das Geschehen vor Ort. Mitmachen kann jeder ab 14 Jahren, der bei SiWa oder einem anderen Verein das Rettungsschwimmerabzeichen erworben hat.

Auch Rettungsboote stehen den Lebensrettern zur Verfügung.
Auch Rettungsboote stehen den Lebensrettern zur Verfügung. © Bergedorfer Zeitung | Martina Kalweit

An diesem Sonnabend werden verschiedene Rettungsszenarien durchgespielt. Am Nachmittag nehmen zwei Prüfer die anstehende Staffelführerprüfungen ab und den ganzen Tag über nimmt sich das Wachpersonal auf der Wiese und im Wasser seinen Aufgaben an. Mitglieder aus Müssen, Bergedorf, Harburg und Neuallermöhe proben die Rettung mit und ohne Rettungsbrett und die Versorgung von Verletzten. „Uns ist wichtig, einen vorausschauenden Rettungsdienst zu leisten“, betont Sergej Berger. Das heißt, dass die Wachposten an verschiedenen Stellen postiert sind und den See immer im Blick haben.

„Am schwierigsten ist es, rechtzeitig zu erkennen, wer Hilfe braucht“, erklärt Staffelführer Urs nach einer erfolgreich durchgeführten Proberettung. Anders als das „Opfer“ im Modellversuch rufen Badende selten nach Hilfe oder wedeln auffällig mit den Armen. Ertrinkende sind oft in Sekundenschnelle zu schwach oder von einem Krampf so beeinträchtigt, dass sie sich nicht mehr bemerkbar machen können. Erkennen die Rettungsschwimmer der SiWa einen Hilfesuchenden auf dem Wasser, eilt ein selbst mit Leine gesicherter und mit einer Rettungsboje ausgestatteter Schwimmer zu Hilfe. Alternativ kann die Hilfe über ein Rettungsbrett erfolgen, auf dem der geschwächte Badende sicher zum Ufer geleitet wird.

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An diesem Sonnabend klappt am und im Wasser alles – und doch hofft das Team, dass es während der gesamten Saison bei Übungen bleibt. Das Wichtigste überhaupt, da sind sich alle einig, sind die Frühschwimmerkurse für Kinder. Auch in diesen Sommerferien bietet SiWa an den vom Verein bewachten Badestellen solche Kurse für Kinder ab sechs Jahren an. Zum Teilnahmepreis von 80 Euro können angehende Schwimmerinnen und Schwimmer in zehn Unterrichtseinheiten die Seepferdchen-Prüfung ablegen. Nähere Informationen gibt es per E-Mail an schwimmschule21@siwa-ev.de.