Hamburg. Roland „Bulle“ Race, ein Urgestein der Bergedorfer Schullandschaft, war vor allem unter ehrgeizigen Ruderern sehr beliebt.

Etliche Bergedorfer im Alter zwischen 50 und 80 Jahren werden sich an ihn erinnern: Als Lehrer für Englisch, Geografie und Sport hat Roland Racean drei Bergedorfer Gymnasien unterrichtet und dabei besonders im Sport seine Spuren hinterlassen. „Strenge gepaart mit Wertschätzung der Schülerinnen und Schüler waren seine Markenzeichen“, spricht Walter Römmer, ehemaliger Schüler der Hansaschule, von einem „pädagogischen Urgestein“, das nun im Alter von 99 Jahren gestorben ist.

Seit 1955 trainierte Race (der wie das Wettrennen auf Englisch ausgesprochene Nachname stammt von seinem schottischen Großvater) Mannschaften der Bergedorfs Hansaschule im Faustball und machte die Teams hamburgweit nach kurzer Zeit konkurrenzlos. Zeitgleich schuf er die Möglichkeit, das Rudern zu erlernen: „Erst ging es zum Bootshaus am Schleusengraben bei der Wachsbleiche. Später zogen die Ruderer hinter das alte Ortsamt am Kurfürstendeich, wo er für den Bau der Bootshalle mitverantwortlich war. Und heute noch wird dort auf der Dove Elbe trainiert“, weiß Walter Römmer, der 1958 an die Hansaschule kam und ab 1971 dort dann auch als Sportlehrer unterrichtete.

Roland Race: Bekannter Bergedorfer Sportlehrer mit 99 Jahren gestorben

Den Kontakt zu Klassenlehrer Roland Race hat er auch nicht verloren, als dieser 1971 ans Gymnasium Sander Tannen wechselte und auch da sportliche Erfolge feiern konnte – etwa mit einem Ruder-Vierer als Hamburger Meister die Stadt bei „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin vertreten durfte. Und auch bei seiner letzten Station als Lehrer, am Gymnasium Bornbrook, organisierte „Bulle“ Race mit großem Engagement Klassen- und Ruderwanderfahrten – von der niedersächsischen Aller bis zu den großen Gewässern in Dänemark.

Warum sein Spitzname in Bergedorf der „Bulle“ war, kann sich Tochter Susanne Race-Meyer so erklären: „Er war ein absolutes Muskelpaket vom Typ des Fußballers Gerd Müller.“ Außerdem sei er eigensinnig und ehrgeizig gewesen: „Der hatte mehr Power als wir drei sportlichen Kinder zusammen“, erinnert die heute 61-Jährige. Aber das Hockeyspielen konnte er ihr schließlich nicht beibringen: „Ich habe mich dann für Eiskunstlauf entschieden. Da herrschte auch Drill, aber das fand er wohl eher doof.“

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Täglich pendelte der Vater nach Bergedorf. Die Familie wohnte in Rahlstedt: „Da war ich mit meinen älteren Geschwistern auf demselben Gymnasium, an dem unsere Mutter Kunstlehrerin war“, erzählt Susanne Race-Meyer. Die letzten Jahre verbrachte ihr Vater im Malteserstift St. Theresien in Altona, wo er noch häufiger von ehemaligen Schülern, einem „engen Zirkel“, besucht wurde.