Körber AG

Warum Bergedorf für die Hauni nicht mehr attraktiv ist

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Ulf-Peter Busse
Zum 1. September 2022 wurde aus der Hauni die Körber Technologies GmbH. Nun zieht das Unternehmen aus Bergedorf weg.

Zum 1. September 2022 wurde aus der Hauni die Körber Technologies GmbH. Nun zieht das Unternehmen aus Bergedorf weg.

Foto: Shweta Sachdewa

Ab 2025 verlässt Körber den Bezirk, obwohl ein angebotener Standort im Bezirk eigentlich alle Voraussetzungen für die Firma erfüllte.

Hamburg. Die Nachricht hat für Enttäuschung im Rathaus Bergedorf gesorgt: Bis 2025 verlässt Hauni den Bezirk. Neben den Firmenhallen an der Kurt-A.-Körber-Chaussee soll in drei Jahren auch die Niederlassung in Schwarzenbek geräumt sein, wie der Körber-Konzern am Dienstag bestätigte.

Die mehr als 2000 Mitarbeiter des gerade erst in Körber Technologies GmbH umbenannten, 1946 in Bergedorf gegründeten Traditionsbetriebs sollen in einen Neubau ziehen. Wo der bis 2025 entsteht, ist noch nicht endgültig geklärt.

Körber: Hauni verlässt Bergedorf bis 2025

Laut Unternehmenssprecherin Claudia Rottensteiner sind zwei Standorte in der finalen Auswahl: Entweder wird nahe der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld gebaut oder in Harburg auf einer bereits hergerichteten Fläche im Stadtteil Neuland direkt an der Autobahn 1.

Eine angebotene Fläche im Forschungs- und Innovationsparks an der A25 in Bergedorf ist für Körber nicht mehr in der engeren Auswahl. Obwohl der Standort eigentlich geeignet wäre. „Nach eingehender Prüfung haben wir festgestellt, dass der angebotene Standort alle Voraussetzungen bietet“, sagt Körber-Sprecherin Claudia Rottensteiner. „Jedoch ist hier ein Bezug im Jahr 2025 leider nicht realisierbar.“ Im weiteren Verfahren werde sich der Konzern deshalb „mit der Detailplanung auf die verbleibenden beiden Optionen fokussieren“, also den Umzug nach Harburg oder Stapelfeld.

Bezirksamtsleiterin spricht von schmerzhafter Lehre

Also ist das fehlende Planrecht der Grund, warum Hauni Bergedorf den Rücken kehrt. Für Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann ist die Absage der Hauni an eine Zukunft in Bergedorf schmerzhaft – aber auch eine Lehre: „Wir müssen alles daran setzen, für Anfragen von Unternehmen stets schnell verfügbare Flächen im Portfolio zu haben.“ Jeder Gewerbebetrieb sei wichtig, wolle Bergedorf seinem Selbstverständnis als Stadt in der Metropole Hamburg gerecht werden. „Und das gilt für ein Unternehmen, das seine Wurzeln seit 76 Jahren im Bezirk hat, natürlich ganz besonders.“

Im konkreten Fall war Bergedorf laut Cornelia Schmidt-Hoffmann schlicht zu langsam, als der Körber-Konzern vor einem Jahr offiziell bekannt gab, sich auf die Suche nach einem neuen Standort für sein wichtigstes Unternehmen zu machen.

„Wir haben die geplante Erweiterungsfläche des Forschungs- und Innovationsparks an der A-25-Anschlussstelle angeboten. Aber dort ist das Bebauungsplanverfahren nach zwei Jahren Unterbrechung erst in diesem Jahr wieder angelaufen. Damit wäre ein Neubau hier frühestens 2026 bezugsfertig, eher noch später.“

Unternehmensteile aus Bergedorf und Schwarzenbek werden zusammengelegt

Im Vergleich mit den beiden anderen Flächen war Bergedorf also nicht konkurrenzfähig, ist dort nach Informationen unserer Zeitung doch bereits Baurecht geschaffen. Vize-Bezirksamtschef Ulf von Krenski mag die Hoffnung trotzdem nicht aufgeben: „Unterzeichnet ist noch nichts. Sollte Körber Bergedorf noch eine Chance geben, werden wir alles in die Wege leiten, das Unternehmen zu halten.“

Danach sieht es allerdings nicht aus. „Wir haben den Innovationspark Bergedorf aufgrund der zeitlichen Anforderungen aus unseren weiteren Betrachtungen herausgenommen“, sagt Claudia Rottensteiner und verweist auf den Zeitdruck, unter dem der Konzern im Hinblick auf seinen neuen Standort steht.

„In 2021 hat eine Machbarkeitsstudie ergeben, dass aufgrund neuer Anforderungen auf Produktionsprozesse und -strukturen sowie wirtschaftlicher Gesichtspunkte weder ein Umbau auf dem Gelände in Bergedorf noch eine Erweiterung in Schwarzenbek für einen zukunftsorientierten und nachhaltigen Standort infrage kommt oder möglich ist“, so Claudia Rottensteiner.

Bergedorf: Was passiert mit dem Hauni-Areal?

Während im Bezirksamt das Bebauungsplanverfahren für die von Körber verschmähte Fläche am Curslacker Neuen Deich weiterläuft und die Tage des seit Jahrzehnten dort ansässigen Kleingartenvereins also trotzdem gezählt sind, richtet sich der Blick nun auch auf die Zukunft des Hauni-Areals an der Kurt-A.-Körber-Chaussee selbst. Schließlich wird es nun voraussichtlich schon in drei Jahren verwaist sein.

Für Bergedorfs Vize-Bezirksamtschef Ulf von Krenski ist klar, dass hier wieder Gewerbebetriebe angesiedelt werden und es keine großflächige Umwidmung zum Wohngebiet gibt: „Es handelt sich um zentrale und damit sehr hochwertige Flächen. Das bietet Bergedorf beste Chancen, Tausende Arbeitsplätze in innovativen Betrieben zu schaffen.“

Cornelia Schmidt-Hoffmann äußert sich zurückhaltender: „Bisher gibt es noch keine konkreten Pläne“, bestätigt Bergedorfs Rathauschefin – und das, obwohl die Umzugsgedanken der Hauni schon seit einem Jahr bekannt sind. Auf die Frage, ob sie einen Verlust dieser Gewerbeflächen fürchte, die sogar eine Ausweisung als Industrieflächen haben, sagt die Bezirksamtsleiterin: „Das wird mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde kaum zu machen sein. Sie besteht grundsätzlich darauf, vorhandene Gewerbeflächen in ihrer Ausweisung zu erhalten, wenn nicht gewichtige Gründe dagegen stehen und mindestens ebenso große Ersatzflächen gefunden werden.“

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