Corona Hamburg

Querdenker und Gegendemonstranten geraten aneinander

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Bei der Querdenker-Demo durch Bergedorf nahmen am Sonnabend bis zu 800 Menschen teil.

Bei der Querdenker-Demo durch Bergedorf nahmen am Sonnabend bis zu 800 Menschen teil.

Foto: Ulf-Peter Busse

Der Marsch der Corona-Leugner und Impfgegner bekommt erneut mehr Zulauf. Insgesamt fünf Gegendemonstrationen in Bergedorf.

Hamburg. Richtig brenzlig wurde es am Sonnabend um 16.45 Uhr auf dem Bahnhofvorplatz. Da war der rund 800 Teilnehmer zählende Marsch der Querdenker bereits auf seinem Rückweg vom Lohbrügger Markt nach Bergedorf, musste hier zum zweiten Mal die größte der fünf Gegendemonstrationen passieren.

Die Polizei versuchte noch, beide sich in Armlänge gegenüberstehende Seiten mit einem Spalier aus Beamten in schwarzer Einsatz-Montur zu trennen. Doch was 50 Minuten zuvor beim ersten Vorbeimarsch der Impfgegner gelungen war, erwies sich jetzt als zu durchlässig: Einige Gegendemonstranten stellten sich dem Zug entgegen und auch mindestens ein Querdenker gelangte auf die andere Seite.

Querdenker und Gegendemonstranten geraten aneinander

Eine weitere Eskalation konnte die Polizei durch schnelles Eingreifen verhindern. Nur zwei der Kontrahenten gerieten aneinander. Bevor die Fäuste flogen, zogen die Beamten beide auseinander, fixierten den Gegendemonstranten am Boden und nahmen ihn schließlich in Gewahrsam.

Details zu diesem Vorfall teilte die Polizei bis Redaktionsschluss nicht mit. Der Abgeführte gehört vermutlich der Bergedorfer Antifa an, die den Querdenkern bereits auf dem Hinweg Plakate entgegengehalten hatte mit Aufschriften wie: „Ein guter Leugner stirbt Zuhaus / Und schont damit das Krankenhaus“.

800 Teilnehmer bei Querdenker-Demo in Bergedorf am Sonnabend

Zwischen beiden Lagern war es bereits vor einer Woche zu Handgreiflichkeiten gekommen. Damals versuchten Querdenker nach dem Ende ihres Marsches, einen 17-jährigen Sympathisanten der Antifa in den Schlossgraben zu werfen.

Eine bedrohliche Kulisse war der Querdenker-Marsch auch jetzt wieder. Mit 800 Teilnehmern deutlich größer als erwartet, hatte allein schon seine Ankündigung für eine Kunden-Flaute in den Geschäften der Bergedorfer City gesorgt. Vom frühen Nachmittag an war in den Einkaufsstraßen spürbar weniger los als sonst an einem Sonnabend.

Querdenker und Gegendemonstranten in Bergedorf

Die Querdenker starteten dann um 14.45 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Johann-Adolf-Hasse-Platz vor der Kirche St. Petri und Pauli. Unter starkem Polizeischutz setze sich der Marsch dann um 15.20 Uhr in Bewegung. In zwei Blöcke aufgeteilt ging es über Vierlandenstraße und Bergedorfer Straße, dann über Weidenbaumsweg, Bahnhofsvorplatz, Alte Holstenstraße und Ludwig-Rosenberg-Ring bis zur Zwischenkundgebung auf dem Lohbrügger Markt.

Unterwegs passierten die Querdenker auch die Gegendemonstration der Linken. Die standen auf dem Herzog-Carl-Friedrich-Platz – ebenfalls nur wenige Meter vom Marsch entfernt. Hier trat Bürgerschaftsabgeordneter Stephan Jersch den Impfgegnern entgegen – allerdings nur verbal per Megafon.

Der Querdenker-Marsch, der um 17.30 Uhr zurück auf dem Johann-Adolf-Hasse-Platz mit einer Abschlusskundgebung beendet wurde, war auffällig professionell organisiert. Neben vorbereiteten Plakaten, die zum Start an einer Art Ausgabestelle verteilt wurden, rollte im Marsch ein Lieferwagen mit Tontechnik und Lautsprechern. Laut Aufschrift wurde alles live übertragen, organisiert von einem YouTube-Kanal namens „Ehrenfrau TV“.

( upb )

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