Woche des Gedenkens

Nazi-Gräueltaten mitten in Bergedorf

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulf-Peter Busse
Auch daran will die Woche des Gedenkens erinnern: Die Einweihung des Mahnmals für NS-Zwangsarbeiter auf dem Kampdeich am CCB in Bergedorf wird im September 2012 von einem Reizgas-Anschlag überschattet. Neun Mitglieder einer polnischen Delegation sind verletzt worden.

Auch daran will die Woche des Gedenkens erinnern: Die Einweihung des Mahnmals für NS-Zwangsarbeiter auf dem Kampdeich am CCB in Bergedorf wird im September 2012 von einem Reizgas-Anschlag überschattet. Neun Mitglieder einer polnischen Delegation sind verletzt worden.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

13 Projekte, Vorträge und Ausstellungen sollen die Erinnerung wachhalten. Aber auch aktuelle Gefahren von Rechts sind ein Thema.

Hamburg. Die Nazis von heute haben ihre Stiefel ausgezogen, sitzen aber längst wieder in Deutschlands Parlamenten bis hinauf zum Bundestag. So beschreibt es die langjährige Bürgerschaftsabgeordnete der Linken, Christiane Schneider, in ihrem Vortrag „Die neue Rechte und ihre Entwicklung in Hamburg“, der am 12. November ab 19 Uhr im Kulturhaus SerrahnEINS am Bergedorfer Hafen zu hören und natürlich zu diskutieren ist.

Der Abend, zu dem alle Interessierten mit Ausnahme von Rechtspopulisten eingeladen sind, ist eines von insgesamt 13 Projekten der Bergedorfer Woche des Gedenkens, die in diesem Jahr sogar 21 Tage lang sein wird. Auffällig am Programm (www.woche-des-gedenkens.de): Die Initiatoren aus Kirche, Politik und Kultur setzen auf Vielfalt, verstehen die Erinnerung an die Nazi-Gräueltaten nicht mehr bloß als Warnung vor den Schatten der Vergangenheit.

Ablehnung Fremder wird in der Woche des Gedenkens thematisiert

Vielmehr geht es um das, was heute wieder da ist – oder immer noch: Die Ablehnung Fremder und Andersgläubiger, ausgelöst durch die weltweite Flüchtlings­krise. Aber auch manches Denkmal ist Thema, das in Bergedorf noch immer steht. So wird der Film „Jordanien – Land der Geflüchteten“ (18. November) gezeigt. Und bereits am 7. November um 14 Uhr mit den Historikern Dr. Christel Oldenburg und Michael Schütze die Spuren von Turnvater Jahn, Herzog Carl-Friedrich, Kaiser Wilhelm, Bismarck in Bergedorf aufgenommen.

„Wir wollen in diesem Jahr gezielt junge Menschen aus Bergedorf ansprechen“, sagt Mitorganisatorin Susanne Leiding-Edler. „Die Generation der Menschen, die die Nazi-Gräuel noch selbst erlebt haben, ist jetzt nicht mehr unter uns.

Leitsatz der Woche stammt von Esther Bejarano

Als eine ihrer letzten großen Vertreter ist Esther Bejarano im Juli mit 96 Jahren gestorben.“ Und Bernhard Nette vom Kulturhaus SerrahnEINS ergänzt: „Ohne junge Menschen, die die Gefahren von Ausgrenzung und Hass erkennen, können die alten Nazi-Strukturen leicht wieder aufkeimen und viele mitreißen.“

Im Gedenken an Esther Bejarano, die mehrfach auch in Bergedorf war, steht die Woche des Gedenkens 2021 unter ihrem Leitsatz: „Aus der Erfahrung unseres Lebens sagen wir: Nie mehr schweigen, wegsehen, wie und wo auch immer Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hervortreten. Erinnern heißt handeln.“

Kranzniederlegung am Zwangsarbeiter-Mahnmal

Ein deutliches Zeichen in ihrem Sinne wird gleich zum Auftakt am Freitag, 29. Oktober, gesetzt. Um 15 Uhr legen die Mitglieder der AG Gedenken einen Kranz am Zwangsarbeiter-Mahnmal auf der Promenade neben den CCB-Fachmarktzentrum nieder, unter ihnen auch Vertreter vom Kulturzentrum Lola, dem Verein Bergedorfer für Völkerverständigung, des DGB und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

Reden halten Pastor Hanno Billerbeck von der kirchlichen Gedenkstättenarbeit Neuengamme, DGB-Chef Ernst Heilmann und voraussichtlich auch Bergedorfs neue Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann.

Ausstellung über die Kinder am Bullenhuser Damm

Weiter geht es am Montag, 1. November, um 12 Uhr mit der Eröffnung der besonders für Jugendliche konzipierten Ausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ in der Gretel-Bergmann-Schule. Sie erzählt die Geschichte des Missbrauchs und der Ermordung von 20 jüdischen Kindern in einer zur Außenstelle des KZ Neuengamme umfunktionierten Schule in Ro­thenburgsort.

Sie wird bis Mitte November an der Margit-Zinke-Straße gezeigt. Führungen für Klassen sind geplant. Anmeldung: jette.jungblut@gretel-bergmann-schule.de. Auf Basis des Ausstellungskatalogs wird unsere Zeitung in den kommenden Tagen über diese Kinder berichten.

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