Corona

Gegen Gastro-Lockdown droht eine Klagewelle

Ab Montag, 2. November, müssen Gastronomen schließen.

Ab Montag, 2. November, müssen Gastronomen schließen.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Betreiber aus Bergedorf, dem Herzogtum Lauenburg und dem Kreis Stormarn protestieren: Restaurants sind kein Hotspot für Infektionen.

Geesthacht/Lauenburg.  Die Reaktionen auf den erneuten Corona-Lockdown fallen teils harsch aus. Ob Sportvereine, Kulturanbieter und Restaurantbetreiber, viele sehen sich als Opfer schwer zu rechtfertigender Zwangsschließungen. Dehoga-Vertreter erklären inzwischen, gerichtlich gegen den Lockdown vorzugehen. Tenor: Ohne gesicherte Datenbasis gebe es keine gerichtsfeste Handhabe, Restaurants und Kneipen von Montag an vier Wochen komplett zu schließen.

Auf Nachfrage in Hamburgs Gesundheitsbehörde hat es dort Dienstag geheißen, Zahlen zu Infektionen bei Restaurantbesuchen würden nicht erhoben. Dass es „schon Ansteckungen in Restaurants gab“, wie eine Sprecherin meinte, wollen auch die Pressesprecher der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg nicht ausschließen.

Auffällig oder gar Hotspot sei die Gastronomie aber sicher nicht. „Das wüssten wir sonst“, sagt Tobias Frohnert, Sprecher der Kreisverwaltung im Herzogtum. „Aus der letzten Woche weiß ich einen Fall, wo nach einem positiven Corona-Test die Liste möglicher Kontaktpersonen eingesehen wurde.“

Gastronomen wollen gegen Corona-Lockdown klagen

Wie Frohnert weiß auch Michael Drenckhahn, Sprecher des Kreises Stormarn, von keiner erhöhte Corona-Gefahr durch Restaurantbesuche. Es sei ihm kein Fall bekannt. „Wir hören, dass das Infektionsrisiko eher im privaten Bereich liegt.“ Doch angesichts der aktuellen Entwicklung „ist das alles schwerlich genau festzustellen“.

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Dass Betroffene klagen werden, sei wahrscheinlich, herrscht Einigkeit. Nachdem Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt wurden, in verbesserte Sicherheit und Betrieb investiert wurde, fühlten sich manche von einer Keule getroffen.

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„Unsere Branche wird schwer getroffen. Egal wie lang die Pandemie noch dauert, danach wird die Hotel- und Gastrobranche eine andere sein“, sagt Hotelier Hans Schröder aus Lauenburg. Er schließt am Montag seinen Restaurantbetrieb, schickt die Mitarbeiter in Kurzarbeit und versorgt seine Gäste, für Geschäftsreisende bleibt das Hotel geöffnet, selbst. Tief sitzt der Schock auch bei Claudia Gnadl und Andreas Steinert, die in Lauenburg die Musikkneipe „Gnasteiners“ betreiben: „Wir haben uns wirklich an alles gehalten, was gefordert war und gehören jetzt wieder zu den ersten, die schließen müssen“, so Gnadl.

Kinobetreiberin aus Geesthacht ist richtig sauer

Empörung auch bei Meike Peemöller, Geschäftsführerin des Kleinen Theater Schillerstraße in Geesthacht: „Das ist nicht mit Augenmaß.“ Ihr sei kein Fall bekannt, dass sich jemand in einem Kino angesteckt habe. Ihr Kollege Frank Grimm, Kino-Betreiber in Schwarzenbek, hofft auf die von der Bundesregierung versprochene „außerordentliche Wirtschaftshilfe“ die bis zu 75 Prozent der Einkünfte im November ausgleichen soll. Nach dem ersten Shutdown im Frühjahr sind seine Reserven erschöpft: „Um zu überleben, brauchen wir jetzt jede Hilfe, die wir kriegen können.“