Öko-Erdgas

Neuer Wasserstoff-Mixer steht im Schilfpark in Bergedorf

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Der Gasnetz-Container zur Wasserstoff-Beimischung wird vom Lkw auf seinen Platz gehievt.

Der Gasnetz-Container zur Wasserstoff-Beimischung wird vom Lkw auf seinen Platz gehievt.

Foto: Thomas Voigt

Vom 1. August an werden 273 Wohnungen am Schilfpark mit einem neuen Erdgas-Gemisch beheizt: bis zu 30 Prozent Wasserstoff-Anteil.

Bergedorf. Nun steht das technische Wunderwerk vor dem Wohnblock am Schilfpark. Ein Mobilkran, beschwert mit wuchtigen Gegengewichten, hievte gestern die 20 Tonnen schwere Wasserstoff-Mischanlage von Gasnetz Hamburg vom Lkw und platzierte sie akkurat in ihrer kleinen Baugrube.

Bis zu 30 Prozent Wasserstoff im Erdgas

Wenn die Leitungsanschlüsse rechtzeitig fertig sind, soll die Anlage vom 1. August an probeweise zwei Blockheizkraftwerken und zwei Spitzenlastkesseln Erdgas liefern, das sie zuvor mit bis zu 30 Prozent Wasserstoff angereichert hat. Insgesamt 273 Wohnungen am Schilfpark werden dann durch diese Heizwerke mit dem neuen Gemisch beheizt.

Weniger Energiedichte braucht mehr Volumen

„Wasserstoff hat einen deutlich geringeren CO2-Ausstoß als herkömmliches Erdgas“, erklärt Projektleiter Tom Lindemann von Gasnetz Hamburg. Gleichwohl liegt die Energiedichte des Gases mit der einfachen chemischen Formel H2 im Vergleich mit Erdgas bei nur 40 Prozent. „Um den gleichen Heizeffekt zu erzielen, muss also mehr Volumen zugeführt werden, unsere Leitungen in ganz Hamburg geben das aber her.“

Testphase läuft bis November 2021

Bis November 2021 läuft die Testphase für den in dieser Art weltweit erstmaligen Energieeinsatz. Rund 600.000 Euro hat Gasnetz Hamburg in die Anlage investiert, die danach abgebaut und anderenorts eingesetzt wird. Projektpartner sind der Bezirk Bergedorf als Teilnehmer des EU-geförderten „mySmartLife“-Netzwerks, außerdem die HAW mit ihrem CC4E-Energiecampus am Schleusengraben und der Anlagenbetreiber enercity Contracting Nord GmbH.

Erst Windkraft macht es richtig „öko“

Wasserstoff wird durch das technische Verfahren der Elektrolyse aus Wasser gewonnen, wobei Sauerstoff freigesetzt wird. Richtig ökologisch wird der Ablauf, wenn die erforderliche Energiezufuhr regenerativ erzeugt ist. Der Einsatz von Windkraft aus dem Energiecampus für die Elektrolyse ist nach Worten von CC4E-Sprecherin Elvira Hinz daher angedacht. Ob es innerhalb der jetzt begonnenen 15-monatigen Testphase dazu kommen wird, ist noch offen. Erst einmal wird der Wasserstoff per Lkw angeliefert.

Das Problem mit der doppelten Steuer

Bislang galt ein Wasserstoff-Anteil bis zu 10 Prozent im öffentlichen Erdgasnetz als unkritisch. Als kritisch bewerten Anhänger der Wasserstoff-Technologie dagegen, dass die klimafreundliche Umwandlung von Windstrom in speicherbaren Wasserstoff gleich zweifach besteuert wird: erstens durch die Gewinnung von Strom aus Windkraft und zweitens durch die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mittels überschüssigen Windstroms. „Diese Elektrolyse wird bislang als Energieproduktion besteuert, dabei handelt es sich lediglich um die Umwandlung von Energie“, beklagt Bernd Eilitz, Sprecher von Gasnetz Hamburg. „Bisher ist die Erkenntnis jedoch weder in Berlin noch in Brüssel durchgedrungen.“

Überschüssige Windenergie speichern - aber wie?

Vor einigen Jahren hat eine Privatfirma in Bergedorf aufgeben müssen, die bereits eine Anlage für Power-to-Gas betrieben hat. Ein Vorstoß, das Unternehmen zumindest von der Erneuerbare-Energien-Umlage zu befreien, fand seinerzeit keine Zustimmung. Die Idee, den Betrieb nicht mit der Umlage zu belegen, ihn im Gegenteil damit zu fördern, stieß auf erbitterte Ablehnung. Eine Folge dieser Politik: Bis heute ist die Frage, wie überschüssige Windenergie wirtschaftlich gespeichert werden kann, nicht abschließend geklärt.

Wasserstoff auch für industrielle Nutzung beimischen

Für die Zukunft setzt Gasnetz Hamburg darauf, Wasserstoff auch Hamburger Industrieunternehmen in großen Mengen zur Verfügung zu stellen. Besonders energieintensive Betriebe der Metallgewinnung und Verarbeitung, wie etwa die Kupferhütte Aurubis, stehen dabei im Fokus.

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