Abstandshalter

Wie Bergedorfs Corona-Polizei die Regeln überwacht

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Thomas Voigt
Als Corona-Streife auf dem Fahrrad unterwegs: Thorsten Böttcher kontrolliert im Sachsentor.

Als Corona-Streife auf dem Fahrrad unterwegs: Thorsten Böttcher kontrolliert im Sachsentor.

Foto: Thomas Voigt

Auf dem Fahrrad Corona-Vorkehrungen überprüfen: Eine Schicht mit der Polizei in Bergedorfs City.

Bergedorf.  Auch in Zeiten coronabedingt geschlossener Schulen sind die sechs Bergedorfer Polizeiverkehrslehrer nicht arbeitslos. Sie sind nun als Corona-Streifen auf ihren Dienstfahrrädern unterwegs, überwachen im Stadtgebiet die Einhaltung der Hamburger Allgemeinverfügungen (etwa Versammlungsverbot und die Schließung von Kneipen und Spielhallen) und der Eindämmungsverordnung zur Ausbreitung des Coronavirus (dazu gehört die Abstandsregelung 1,50 Meter und die Nasen-Mundschutz-Pflicht in Geschäften und im öffentlichem Nahverkehr).

Polizeikommissarin Stephanie Goldenstein und Polizeioberkommissar Thorsten Böttcher starteten ihre Tour durch die City gestern Vormittag vor der Polizeiwache am Ludwig-Rosenberg-Ring. An der Kreuzung vor Marktkauf halten sie brav vor der roten Ampel, bevor sie nach rechts in die Alte Holstenstraße einbiegen. „Wir müssten nicht warten, denn als Polizisten haben wir gesondertes Wegerecht“, sagt Thorsten Böttcher. „Aber wie sieht das denn aus, wenn die Polizei auf dem Fahrrad eine rote Ampel überfährt?“

„Darf ich Sie um mehr Abstand bitten?“

„Der Abstand der Wartenden vor der Deutschen Bank ist in Ordnung“, sagt Stephanie Goldenstein nach kurzem prüfenden Blick nach links. Auch gegenüber die Schlange vor einer Bäckerei ist tadellos aufgestellt. Ein erstes Einschreiten der Corona-Streife wird vor dem Hasse-Turm bei St. Petri und Pauli fällig. Da sitzen zwei ältere Damen ziemlich dicht beieinander. „Guten Tag“, sagt Böttcher höflich, „darf ich Sie bitten, etwas mehr Abstand zueinander zu halten? Oder bewohnen Sie denselben Haushalt?“ Nein, das tun sie natürlich nicht und setzen sich etwas widerwillig ein Stück weiter auseinander.

Ein nicht mehr ganz nüchterner Mittdreißiger mit Bierdose nähert sich den Beamten. In der anderen Hand schwenkt er ein Fläschchen Desinfektionsmittel. „Bin ich nicht klasse?“ fragt er frech. „Ihr wisst aber eins nicht: Da habe ich Koks drin.“ Doch so leicht lassen sich erfahrene Polizisten nicht provozieren. „Mit Ihnen spreche ich nicht weiter“, sagt Böttcher nur.

Auf Wochenmarkt nichts zu beanstanden

Durch die Fußgängerzone Sachsentor schieben die beiden ihre Räder, ein entgegenkommender Radler springt schnell ab, als er die Polizisten sieht. „Seeehr gut“, sagt Stephanie Goldenstein nur zu ihm. „Man muss die Leute auch loben, das hebt meist die Moral“, erklärt sie. Man merkt, hier sind Pädagogen am Werk.

Beim ausgelagerten Wochenmarkt auf dem Bergedorfer Markt gibt es keinerlei Beanstandungen. Alle Kunden und Händler tragen Mundschutz wie seit Montag in Hamburg vorgeschrieben. Am Ende des Sachsentors aber finden wir wieder zwei ältere Damen, die zu dicht beieinander sitzen. „Wir wohnen doch im selben Mietshaus“, sagt eine von ihnen. „Reicht nicht“, meint Stephanie Goldenstein. „Bitte mehr Abstand halten.“

Einmal Jugendlichen Bußgeld aufgedrückt

Meist ist es ausgerechnet eine Risikogruppe, ältere Menschen, die das Abstandsgebot nicht so ernst nehmen, wundert sich Böttcher. 150 Euro Bußgeld könnten er und seine Kollegin jedesmal dafür verhängen. Er hat es aber nur einmal getan, als vier Jugendliche im Grünen Zentrum partout nicht auseinanderrücken wollten. „Wir sind mehr Aufklärer und weniger Bestrafer“, meint Goldenstein.

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