Wohngebiet Schilfpark

Hier entsteht Bergedorfs neuer Unfallbrennpunkt

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Christina Rückert
Linksabbieger aus der Straße Am Schleusengraben (Mitte) haben es schwer. Auf dem vierspurigen Curslacker Neuen herrscht viel Verkehr, häufig wird zu schnell gefahren.

Linksabbieger aus der Straße Am Schleusengraben (Mitte) haben es schwer. Auf dem vierspurigen Curslacker Neuen herrscht viel Verkehr, häufig wird zu schnell gefahren.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Das Wohn- und Gewerbegebiet ist fast fertig – doch eine vernünftige Anbindung zur Hauptstraße gibt es nicht.

Bergedorf.  „Bereits 30 Prozent vermietet“, leuchtet es knallrot auf der Homepage www.wohnen-am-schilfpark.de. Nach zögerlichem Start interessieren sich inzwischen mehr Menschen für die Wohnungen hier am Schleusengraben – und schon in wenigen Wochen werden die ersten Mieter einziehen.

Doch in die Freude über das neue Leben auf dem Areal mischen sich Sorge und auch massiver Ärger. Denn der Bezirk, so kritisiert Projektinitiator Rüdiger Gramkow (Firma Gustav A. Cellarius), hat bei der Anbindung des „Schilfparks“ mehr als nur eine Hausaufgabe nicht gemacht. Und deshalb könnte hier nun sogar ein Unfallbrennpunkt entstehen.

Keine Brücke, kein Fußweg, kein Abbieger

Nicht nur die schon lange versprochene Fußgängerbrücke, die über den Schleusengraben Richtung Nettelnburg führen soll, wurde trotz vertraglicher Zusicherung bisher nicht gebaut. Auch der Rad- und Fußweg Richtung Vierlande und Richtung City ist unvollständig.

Vor allem aber ist bisher völlig unklar, wie eigentlich die motorisierten Bewohner der 369 Wohnungen, die Handwerker, die Patienten der Strahlentherapie sich mit ihren Autos am Curslacker Neuen Deich in den Verkehr einfädeln sollen. Das Rechtsabbiegen zur Autobahn mag noch gehen. Aber links nach Bergedorf – ohne gute Sicht und ohne Ampel und das bei viel Verkehr? „Das macht niemand, es sei denn, er ist lebensmüde“, stellt Gramkow verärgert fest.

Bis 2025 keine Pläne für Curslacker Neuen Deich

Tatsächlich gibt es für die Einmündung Am Schleusengraben/Curslacker Neuer Deich auf absehbare Zeit keine Planung. Beim Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer, der einen Umbau ausführen müsste, seien bis 2025 keine Maßnahmen gelistet, bestätigt Sprecherin Anabel Schnepf.

Auch das Bezirksamt Bergedorf kann keine konkrete Planung vorweisen. Grund sei der Bebauungsplan für die gegenüberliegende Seite des Curslacker Neuen Deichs. Dort soll ein Gewerbegebiet für Forschung entstehen, was sich durch die geschützte „Tellerschnecke“ lange verzögerte. Beide Flächen könnten bei der Anbindung „nicht unabhängig voneinander“ betrachtet werden“, sagt Bezirksamtssprecherin Lena Stich. Nach Ostern gebe es mehr zu berichten, stellt das Amt vage in Aussicht.

CDU: Grundlegende Versäumnisse

CDU-Verkehrsexperte Jörg Froh kritisiert massive grundlegende Versäumnisse: „Der Bezirk plant munter große Vorhaben, hat aber zum Einzug noch kein einziges Neubaugebiet vernünftig angeschlossen.“ Das betreffe Oberbillwerder genauso wie nun den „Schilfpark“, wo es bisher auch keine ausreichende Busanbindung gebe.

Zwar ist die Planung an dieser Stelle wegen der nahen Autobahn schwierig, doch Froh sieht Handlungsbedarf: „Ich werde zur nächsten Bezirksversammlung einen Antrag zum Bau einer provisorischen Lichtzeichenanlage und einer Haltestelle einbringen.“

Investor Rüdiger Gramkow fürchtet, dass schon eher etwas passiert. Denn die künftigen „Schilfpark“-Bewohner seien für fast jeden Weg aufs Auto angewiesen: „Es gibt ja keine Fußgänger- und Radfahrerbrücke.“

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