Bezirksversammlung

Bergedorfs Politik will Autofahrer ausbremsen

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Ulf-Peter Busse
Die Fußgängerampel an der Bushaltestelle Mohnhof soll nach dem Willen von Grünen-Verkehrsexperten Norbert Fleige künftig häufiger Rot für Autofahrer zeigen.

Die Fußgängerampel an der Bushaltestelle Mohnhof soll nach dem Willen von Grünen-Verkehrsexperten Norbert Fleige künftig häufiger Rot für Autofahrer zeigen.

Foto: BGZ / Ulf-Peter Busse

Bergedorf. Vor allem die Grünen, aber auch SPD und CDU wollen Fußgänger und Radfahrer fördern.

Bergedorf.  . Autofahrer haben zunehmend schlechte Karten bei Bergedorfs Politikern. Das zeigt der Blick auf die Tagesordnung der Bezirksversammlung, die Donnerstag (18 Uhr; Rathaus) gleich fünf Punkte umfasst, die Radler und Fußgänger fördern, Autofahrer ausbremsen.

Bergedorf wächst – doch der Pkw-Verkehr schrumpft bereits

Die schwindende Bedeutung des privaten Pkw-Verkehrs belegt Grünen-Verkehrsexperte Norbert Fleige in der Einleitung einer Anfrage zum Bedarf an Stellplätzen. Er vergleicht Werte der Jahre 2000 und 2016, in denen die Zahl der Bergedorfer um fast zehn Prozent auf 126 000 Menschen gewachsen, die Zahl der werktags hier fahrenden Kfz aber um sieben Prozent auf 275 000 gesunken ist.

Grüne halten reduzierte Stellplatzzahl in Neubaugebieten für zukunftsgerecht

Fleiges Fazit: Bergedorfs zahlreiche Baugebiete brauchen weit weniger Stellplätze als heute realistisch erscheinend. Es habe Sinn, selbst Großprojekte wie das 1100 Wohnungen zählende Stuhlrohrquartier als autoarmen Stadtteil zu planen. Kaum 300 Meter vom Bergedorfer Bahnhof entfernt, lasse es seine Bewohner problemlos auf das Auto verzichten.

Dickes Plus bei HVV-Fahrgästen, Radfahrern und im Car-Sharing

Dazu liefert Fleige diese Zahlen: Die Zahl der Fahrgäste im Hamburger Verkehrsverbund hat sich binnen zehn Jahren um 28 Prozent erhöht, die der Radler an den Fahrradzählstellen der Hansestadt sogar um 56 Prozent, und das Car-Sharing legte in Hamburg allein von 2016 auf 2017 um 30 Prozent auf jetzt 1,7 Millionen Nutzer zu. Dass das zwar die Entwicklung in zentraleren Hamburger Stadtteilen beschreibt, weniger die aktuellen Bergedorfer Verhältnisse, sieht Norbert Fleige als temporäres Problem: „Wer heute in Bergedorf baut, muss für die Zukunft planen.“

Fußgängerampel am Mohnhof: Bald automatisch statt auf Knopfdruck

Das gilt für seinen Antrag, dass Bergedorfs wichtigste Fußgängerampel vor dem Bushalt Mohnhof deutlich häufiger die Querung der vierspurigen Hauptverkehrsstraße ermöglichen soll: Statt wie bisher als Bedarfsampel auf Knopfdruck soll sie künftig in möglichst kurzer Taktung automatisch umspringen.

Längere Zeit freie Fahrt für Radler in den Fußgängerzonen

Mehr freie Fahrt für Radler in Bergedorfs Fußgängerzonen fordert derweil die SPD. Verkehrsexperte Nils Springborn regt an, sie täglich zwei Stunden länger für den Radverkehr freizugeben, von 19 bis 9 Uhr statt nur von 20 bis 8 Uhr.

Tempo-30-Piktogramme auf August-Bebel-Straße in Höhe der Sternwarte

Gemeinsam mit der CDU startet die SPD einen neuen Anlauf, den Autoverkehr auf der August-Bebel-Straße in Höhe der Sternwarte zu bremsen. Hier sollen Tempo-30-Piktogramme auf die Fahrbahn kommen, weil das seit Jahren vorgeschriebene Tempo auf dem beliebten Schleichweg Richtung Wentorf nie eingehalten werde.

Verkehrsbehörde lehnt Zebrastreifen mit 3D-Effekt ab

Zurückgepfiffen werden die Politiker dagegen in ihren Plänen, Bergedorfs Zebrastreifen künftig im besonders auffälligen 3D-Effekt auf die Fahrbahnen zu bringen. Hier winkt die Verkehrsbehörde ab. Begründung: Die deutlich erhöhte Sichtbarkeit würde andere Verkehrszeichen zu Hinweisen zweiter Klasse degradieren.

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