Unfallträchtig

Vorsicht, „Smombies“ im Straßenverkehr

| Lesedauer: 2 Minuten
Jan H. Schubert
Dieser Smombie hat gerade den Weidenbaumsweg vom Marktplatz aus zum Bahnhofsvorplatz überquert und schaut gleich wieder auf sein Smartphone.

Dieser Smombie hat gerade den Weidenbaumsweg vom Marktplatz aus zum Bahnhofsvorplatz überquert und schaut gleich wieder auf sein Smartphone.

Bergedorf. ACE arbeitet an Studie über die Smartphone-Nutzer, die potenziell unfallgefährdet sind. Die Studie enthält Hamburger Zahlen.

Bergedorf.  Der junge Mann ist vertieft in seinen Chat. Weil er nur auf das Smartphone-Display schaut, bekommt er nicht mit, dass er eine Rolltreppe im CCB für eine Frau und ihre zwei Kindern blockiert. Fast fällt er selbst die Treppe hinunter, bis ihn seine Freundin gerade noch zur Seite zieht.

So gesehen gestern Nachmittag in Bergedorf. Ein Beispiel für das „Smombie“-Phänomen – eine Abkürzung für „Smartphone-Zombies“, also Menschen, die beim Gehen dauernd aufs Handy starren und ihre Umwelt ignorieren. „Smombies“ sind in den Fokus des Auto Club Europa (ACE) gerückt: Nachdem seit der Jahrtausendwende die Zahl der verunglückten Fußgänger stetig gesunken sei, stagniere sie mittlerweile. 31 589 Fußgänger verunglückten 2015 im Straßenverkehr, 534 tödlich. Eine Hauptursache nach der Missachtung von roten Ampeln sei Ablenkung durch Smartphones. „Niemand kann gleichzeitig Nachrichten checken und auf den Verkehr achten. Das ist lebensgefährlich“, sagt Peter Deutschland, Regionalvorsitzender Nord des ACE.

Hamburger Beobachtungen alarmierend

Ehrenamtliche seines Clubs sammeln nun in vielen Städten Datenmaterial. In Hamburg untersuchten sie an zwei Ampeln das Verhalten von Passanten. An drei Tagen wurden 2033 Fußgänger (388 Jugendliche, 1645 Erwachsene) erfasst. Die Ergebnisse sind für den ACE alarmierend: „Gut 14 Prozent der Erwachsenen und über 28 Prozent der Jugendlichen waren mit ihrem Smartphone beschäftigt. während sie die Straße überquerten“ – und somit unaufmerksam.

Einen ähnlichen Test machte unsere Zeitung gestern und suchte „Smombies“ in Bergedorf – und fand sie: am Ausgang des Bahnhofs (29), vor der Kirche St. Petri und Pauli (14) sowie im Sachsentor (10), jeweils über 40 Minuten beobachtet. Gefährliche Situationen gab es dabei allerdings nicht, und auch der Polizei sind aus Bergedorf keine nennenswerten Unfälle mit „Smombies“ bekannt.

Aufklärung anstelle Strafenkatalog

Die Hamburger ACE-Werte und weitere Feldversuche aus dem Bundesgebiet sollen in eine Studie zur Verkehrssicherheit einfließen, die der ACE im Herbst vorlegen will, um gemeinsam mit den Landesverkehrsbetrieben Plakatkampagnen zu starten. In Köln und Augsburg werden beispielsweise derzeit LED-Leuchtsignale, sogenannte Bodenampeln, ausprobiert, um Handynutzer vor nahenden Straßenbahnen zu warnen. ACE-Mann Deutschland erklärt: „Wir wollen keinen Strafenkatalog für Fußgänger mit Smartphones ins Leben rufen, sondern aufklären.“

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