Radler Rundgang

Gute Ansätze, doch in der Realität hakt es oft

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan H. Schubert
Bergedorfs Grünen-Verkehrsexperte Norbert Fleige (rotes Hemd) mit seinen Gästen auf dem Ciry-Kreisel. Hier flutscht der Verkehr.

Bergedorfs Grünen-Verkehrsexperte Norbert Fleige (rotes Hemd) mit seinen Gästen auf dem Ciry-Kreisel. Hier flutscht der Verkehr.

Foto: Jan Schubert / BGZ

Bergedorf. Nachhaltig, umweltverträglich, fahrradfreundlich: Können die Grünen ihre Versprechen für den Verkehr in Bergedorf einlösen?

Bergedorf.  Wie ein Sinnbild: Katharina Shukla, Veranstaltungsplanerin des grünen Bundestagsabgeordneten Manuel Sarrazin, will demonstrieren, wie kinderleicht die Anmeldung beim Leihsystem Stadtrad funktioniert. Doch nachdem die 29-Jährige ihre Daten an der Station eingetippt hat, wird sie als „Britta Neiß“ begrüßt. Unerwartete Panne im System.

So wie bei den Grünen und ihren Ideen zur Verkehrspolitik samt höherer Fahrrad-Freundlichkeit Bergedorfs: Es gibt viele Ansätze, doch in der Realität klemmt es. Das wird deutlich beim Rundgang mit Gästen durch die Bergedorfer Innenstadt, zu dem Sarrazin und Norbert Fleige, verkehrspolitischer Sprecher der Bergedorfer Grünen, gebeten haben. Fleige will zeigen, was seine Partei auf und neben den Straßen umgesetzt hat – und ist dabei im Namen seiner Grünen-Kollegen erstaunlich selbstkritisch. Häufiger fällt der Satz: „Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt.“

City-Kreisel top, Weidenbaumsweg na ja

Die 15 Fußgänger haben gestern mehrere Stationen abgeklappert. Dabei sind auch Erfolge der Grünen sichtbar. Zum Beispiel der City-Kreisel: „Es gibt hier keine Staus oder Unfälle, der Verkehrsfluss ist höher“, berichtet Fleige stolz.

Doch bei anderen Vorhaben könnte die Praxis besser aussehen. Zum Beispiel beim 2016 sanierten Weidenbaumsweg: „Verkehrsberuhigung, Platz für Fußgänger, mehr Aufenthaltsqualität, all das haben wir erreicht – doch einige Autofahrer halten sich nicht an die Regeln“, deutet Fleige auf die vielen Falschparker, die das absolute Halteverbot ignorieren oder die Fläche vor dem Bahnhofseingang zuparken. Da helfen auch keine Zusatz-Kontrollen. Rundgangsteilnehmer Karsten Paulssen merkt kritisch an: „Das zeigt doch, dass hier am Bedarf vorbei geplant wurde.“

„Du musst dich als Radfahrer auch trauen“

An der Kreuzung Ludwig-Rosenberg-Ring zur verkehrsberuhigten Alten Holstenstraße erweist sich das Konzept dreier Fahrradstreifen mitten auf der Straße als zumindest fragwürdig. Wenn selbst ein passionierter Radfahrer wie Fleige meint, dass man sich beim Linksabbiegen in die Alte Holstenstraße „als Radfahrer auch trauen muss, vor den Autos über die Kreuzung abzubiegen“.

Und natürlich kommt die Frage auf, ob mit dieser Planung nicht ein wenig übers Ziel hinausgeschossen wurde. „Bei uns musst du, wenn du so eine Kreuzung siehst, im Gegensatz zu anderen Ländern ja fast Fahrrad studiert haben“, meint Rundgangsteilnehmer Dr. Reinhold Reumann.

Enttäuscht von Stadtrad-Zahlen

Schließlich das „Stadtrad“. In Hamburgs City-Bezirken ein totaler Erfolg, in Randgebieten wie Bergedorf hingegen schwächeln die Zahlen. „Wir haben sehr für die Einführung des Stadtrads gekämpft, aber mit dem ersten Jahr sind wir nicht so zufrieden“, gibt Fleige zu. Die Nachfragen aus der Gruppe, warum Bergedorfs Grüne denn noch mehr als die bisherigen sechs Stationen befürworten und ob nicht andere Standorte – wie etwa der Frascatiplatz oder die HAW – sinnvoller gewesen wären, erscheinen folgerichtig.

Inwieweit der Rundgang tatsächlich Eigenwerbung war, bleibt diskutabel. Burkhard Sielaff aus Havighorst, der ebenfalls mitlief, meint: „In meiner Entscheidung für die Bundestagswahl hat mir dieser Termin nicht geholfen. Ich finde es aber gut, dass sich um die Förderung des Radverkehrs gekümmert wird.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf