Neuallermöhe

Klaus Friese kämpft für Esperanto

Buchautor  Der 68-Jährige schreibt über die „Plansprache“, die als besonders leicht erlernbar gilt

Neuallermöhe. . An den Erstkontakt erinnert sich Klaus Friese noch genau. Obwohl es 55 Jahre her ist: „Damals waren gerade Sommerferien, und mein Großvater schenkte mir fünf Bände eines Esperanto-Lehrgangs der Volkshochschule. Den habe ich in den Ferien durchgearbeitet, weil wir nicht verreist sind“, erinnert sich Friese. Und nun, fünfeinhalb Jahrzehnte später, hat der 68-Jährige sein erstes Buch über die leicht erlernbare Plansprache Esperanto veröffentlicht. Mit einem sehr globalen Hintergedanken.

Obwohl bei Friese ein gewisses Sprachinteresse immer vorhanden war, ruhte das Esperanto-Thema nach den Studien des Jahres 1962 satte 37 Jahre lang. Der Neuallermöher wurde Lehrer für Chemie und Biologie am Gymnasium Wentorf und erinnerte sich erst 1999 an sein persönliches Vergnügen als 13-jähriger Junge. Damals suchte er nach einem Thema für die Projektwoche an seiner Schule. Und es packte ihn ein zweites Mal: „Zur ersten AG kamen 24 Schüler“, entsinnt sich der Pensionär, „das zweite Mal war dann viel schöner. Da kamen zwar nur sechs Teilnehmer, aber die jungen Mädchen haben damals so toll Esperanto getanzt.“ Denn es gibt eine ganze Esperanto-Kultur. Bis 2010 bot er die AG am Gymnasium durchgängig an.

Seitdem ist Klaus Friese dran geblieben, hat eine Esperanto-Gruppe in Neuallermöhe gegründet (1999), übersetzte Erzählungen, veröffentlichte Artikel in Fachzeitschriften, besuchte Kongresse. Eine opulente Esperanto-Vita: Im Vorjahr ist die Webseite klaus-friese.esocom.de online gegangen, darauf findet sich beispielsweise ein Lehrgang mit Bibeltexten oder Frieses Plädoyer für eine europäische Esperanto-Identität.

Esperanto – ein Weltphänomen, aber: In keinem Land besitzt es den Status als Amtssprache. Schätzungsweise gibt es auf dem Planeten eine Million Sprecher, davon können maximal 1000 Menschen behaupten, Esperanto als Muttersprache zu besitzen. Für Deutschland existieren keine Angaben.

Esperanto bietet mehr Vorteile als die Weltsprache Englisch

Dennoch: Überall, das weiß Klaus Friese, finden sich Anhänger, sogenannte Esperantisten. Dies sei „wie eine große Familie“, so Friese. Noch lange vor dem heute bekannten Couchsurfing habe sich unter den weltweiten Esperantisten das „Passeporta Servo“ etabliert. Will heißen: Wer Esperanto sprechend durch fremde Länder reist, bekommt garantiert eine Übernachtungsmöglichkeit. Klaus Friese und seine Ehefrau pflegen E-Mail-Kontakte nach Japan, Brasilien und in viele weitere Länder, lassen dafür die Auslandsreisen sein und halten sich lieber an inländische Kongresse. Mit 200 bis 300 Besuchern: „Da kannst du dich den ganzen Tag auf Esperanto unterhalten.“

Nun erschien am 14. April Frieses erstes Buch „Fahrtrichtung Esperanto“. Ein sinniges Datum: Es ist der Todestag des Esperanto-Schöpfers Ludwik Lejzer Zamenhoff. Der Augenarzt verfasste 1887 die Grundlagen Esperantos mit der Idee, dass sie eines Tages mal als Weltsprache fungieren würde. Und diese Vision transportiert Friese mit seinem Werk weiter. Anlässlich der Buchpräsentation im Verlag Allsprachendienst Esperanto des Schweizers Dietrich Michael Wiedemann reist Friese mit Sohn Jan (30) zu einem Vortrag nach Zürich.

Wiedemann gehört zu den neun Co-Autoren von „Fahrtrichtung Esperanto“. Einem 140-seitigen Handbuch in deutscher Sprache, mit dem der ehemalige Gymnasiallehrer Friese eines erreichen möchte: „Meine Begeisterung für Esperanto soll auf den Leser überschwappen.“ Häufig hört der Autor, dass es ja bereits Englisch als Weltsprache gebe: Wozu brauche man dann Esperanto?“

Hierfür, erklärt Friese: Wer als Ausländer eine Fremdsprache erlerne, erreiche zwar nach etlichen Jahren ein gewisses Niveau, doch nie das eines Muttersprachlers. Bei Esperanto sei das anders: „Das ist Sprechen auf Augenhöhe. Man lernt es schneller, die Aussprache ist einfach, es gibt viele internationale Worte, die einen besseren Zugang zu anderen Sprachen bieten.“