Autobahn 25

Unfallfahrer begrüßt Polizei mit Bierflasche in der Hand

Das Heck des Ford Mondeo, der nach dem Unfall auf der A 25 nur noch Schottwert hat.

Das Heck des Ford Mondeo, der nach dem Unfall auf der A 25 nur noch Schottwert hat.

Foto: bz / BGZ

Bergedorf. Betrunken, zu schnell, ohne Licht unterweges: 32-Jähriger rammt Ford auf der A 25. Vier Menschen leicht verletzt.

Allermöhe.  Der Raser kam mit seinem schwarzen Audi A6 von hinten, ohne Licht, betrunken und mit mindestens 150 km/h, wie Zeugen schätzen. Für die drei Insassen des grünen Ford Mondeo Kombi aus Bergedorf-West, Samstagabend auf der A 25 auf dem Heimweg, war er praktisch unsichtbar – bis er sie kurz vor 20 Uhr vor der Anschlussstelle Allermöhe plötzlich rammte.

„Wagen wurde weit nach vorn geschleudert“

„Wir hatten meinen Bruder abgeholt, um uns daheim einen schönen Abend mit Computerspielen zu machen“, berichtet Patricia Rathje (31), die auf dem Beifahrersitz saß. „Plötzlich kam von hinten ein so heftiger Stoß, dass der ganze Wagen weit nach vorn geschleudert wurde. Ich habe uns schon in der Mittelleitplanke gesehen, auch weil es sich anfühlte, als ob wir immer weiter geschoben würden. Zum Glück hat unser Fahrer spontan richtig reagiert, uns zurück auf die Fahrbahn gelenkt und schließlich sogar auf dem Standstreifen sicher gestoppt. Wir hatten einen riesengroßen Schutzengel.“

Zeugen verhindern Unfallflucht

Was dann passierte, kommt der Mutter einer elfjährigen Tochter noch immer wie ein böser Traum vor: „Der Audi stand ganz weit hinter uns. Sein ausgestiegener Fahrer schwankte erheblich, wollte aber gerade wieder einsteigen, um weiterzufahren.“ Doch daran hinderten ihn Zeugen, die den Unfall beobachtet hatten und sofort halfen. Sie alarmierten die Polizei, die beim Eintreffen ebenfalls eine skurrile erste Begegnung mit dem 32-jährigen Polen hatte: „Er stand an seinem Fahrzeug und hatte eine Bierflasche in der Hand, aus welcher er trank“, heißt es im Bericht.

Beifahrer auf Rückbank eingeklemmt

Während der Leichtverletzte sich sofort einem Atemalkohol-Test unterziehen musste, der 2,28 Promille ergab, hatten die Zeugen im Ford Mondeo schon vorbildliche Arbeit geleistet: Sie betreuten die unter Schock stehende Patricia Rathje, besänftigten den Fahrer (23), der zum Audi gelaufen war und auf den Polen einschrie. Und sie hatten Rathjes auf der Rückbank eingeklemmten Bruder (41) befreit. „Das Rammen muss so heftig gewesen sein, dass ich mitsamt dem Beifahrersitz nach hinten auf ihn drauf gekippt bin und der Sitz sich dort verkeilte“, sagt die 31-Jährige. Wie durch ein Wunder zogen sich alle drei nur leichte Verletzzungen zu, konnten schon in der Nacht das Krankenhaus wieder verlassen.

Unfallfahrer in Untersuchungshaft

Das gilt auch für den Audi-Fahrer, wobei er neben dem Führerschein zumindest vorerst auch die Freiheit einbüßte: Der Pole kam in Untersuchungshaft, weil er die bei Ausländern fällige Sicherheitsleistung von 1000 Euro nicht erbringen konnte. Warum er beim Eintreffen der Polizei auffällig Bier trank, ist den Ermittlern unklar. Möglicherweise will er so die Werte der im Krankenhaus erfolgten Blutprobe später rechtlich angreifbar machen.

Opfer suchen Kontakt zu Ersthelfern

Derweil sucht Patricia Rathje per Facebook nach den Ersthelfern: „Da war ein kräftiger ASB-Mitarbeiter, der meinen Bruder aus dem Auto zog. Eine Frau hat sich rührend um mich gekümmert und ein Ehepaar die Unfallstelle abgesichert. Bei denen möchte ich mich so gern persönlich bedanken.“