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Krise in der Tabakindustrie - Hauni-Mitarbeiter bangen

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Die Krise in der Tabakindustrie trifft auch Bergedorfs größten Arbeitgeber, die Hauni Maschinenbau GmbH.

Die Krise in der Tabakindustrie trifft auch Bergedorfs größten Arbeitgeber, die Hauni Maschinenbau GmbH.

Foto: Körber

Bergedorf. Die Hauni steckt offenbar in der Krise. Körber-Chef Bauer spricht von "strukturellen Veränderungen" im Markt. 400 Leiharbeiter mussten gehen.

Bergedorf. Die Hauni Maschinenbau GmbH steckt offenbar tief in der Krise. Der Ernst der Lage bei Bergedorfs größtem Arbeitgeber mit 2000 Mitarbeitern wurde gestern während der jährlichen Bilanzpressekonferenz des Mutterkonzerns Körber AG in Hamburg deutlich.

Den seit Monaten anhaltenden Auftragsrückgang für Zigarettenmaschinen und Tabakaufbereitungsanlagen ordnet die Konzernspitze nicht mehr wie bisher als branchenübliche Wellenbewegung bei Investitionsgütern ein. Stattdessen spricht der Körber-Vorstandsvorsitzende Richard Bauer nun von „strukturellen Veränderungen im Geschäftsfeld Tabak – nicht temporär, sondern langfristig“.

Philipp Morris legt größe Fabrik in Europa still

Nach Bauers Worten haben die Zigarettenhersteller allein in den Jahren 2013 und 2014 weltweit zwischen 11 und 14 Prozent Umsatz eingebüßt. „Es vergeht ja kaum noch eine Woche, ohne dass irgendwo auf diesem Globus eine Zigarettenfabrik geschlossen wird“, beklagt der Chef des Weltmarktführers für Tabakmaschinen. Beispielsweise habe Philip Morris mit einem Produktionsstandort in Holland vor Kurzem seine größte europäische Fabrik stillgelegt.

Auftragsflaute bei Hauni verschlimmert

Eine Ursache für den Einbruch sieht Bauer in den zunehmend strikteren Regulierungen der Staaten für Zigarettenverpackungen und deren Beschriftungen. Zudem sei die Tabaksparte der Körber AG in den vergangenen Jahren überproportional gewachsen. Die nur wenige Jahre alten Anlagen plötzlich stillgelegter Fabriken werden nun auf dem Markt angeboten, was die Auftragsflaute bei Hauni noch verschlimmert.

Für die 2000 Hauni-Mitarbeiter in Bergedorf bedeutet dies vor allem eins: eine unsichere Zukunft. Noch vor wenigen Wochen sprach die Konzernleitung von „Erwägungen“, im Sommer in Bergedorf Kurzarbeit einzuführen. Heute erscheint dieser Schritt unausweichlich. Bei der Hauni-Tochter Baltic Metalltechnik GmbH (150 Mitarbeiter) im mecklenburgischen Grevesmühlen ist dies bereits geschehen.

400 Leiharbeiter mussten bereits gehen

Den genauen Umfang des Umsatzeinbruchs bei Hauni gab Körber-Chef Bauer gestern auch auf mehrfache Nachfrage nicht bekannt. Ob und – wenn ja – wie viele Arbeitsplätze an der Kurt-A.-Körber-Chaussee auf dem Spiel stehen, ebenfalls nicht: „Derzeit werden Überstunden abgebaut und 28-Stunden-Wochen gefahren. Zudem mussten wir uns von 400 Leiharbeitern trennen.“

Bauer: Kapazitäten bestmöglich ausrichten

In den nächsten Wochen bis Mitte Juni will die Körber AG ein Konzept entwickeln, wie Hauni „seine vorhandenen Kapazitäten bestmöglich auf die Marktveränderungen ausrichten kann“. Laut Richard Bauer ist noch „alles offen“. Lediglich einen Verkauf der Hauni schließt er aus. Auch der Betriebsratsvorsitzende Hubert Wollin wollte gestern auf Anfrage über einen bevorstehenden Personalabbau nicht spekulieren: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Körber-Konzern mit neuem Rekordjahr

Entgegen ihrer Tabaksparte hat die restliche Körber AG 2014 erneut ein Rekordjahr hingelegt. Der internationale Technologiekonzern steigerte seinen Umsatz um sieben Prozent auf 2,342 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,194 Milliarden). Der Auftragseingang erhöhte sich um drei Prozent auf 2,320 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,252 Milliarden). Über alle Geschäftsfelder hinweg stieg das Ergebnis um 16 Prozent auf 258 Millionen Euro (Vorjahr: 222 Millionen). Das entspricht einer Umsatzrendite von 11 Prozent (Vorjahr: 10 Prozent).

Der Jahresüberschuss stieg auf 150 Millionen Euro (Vorjahr: 137 Millionen). Gewinnträchtige Geschäftsfelder des Konzerns sind Automation, Logistik-Systeme, Werkzeugmaschinen, Pharma-Systeme, Papiertücher und Unternehmensbeteiligungen. Für 2015 rechnet die Unternehmensgruppe laut Finanzvorstand Stephans Seifert mit leicht rückläufigen Zahlen.

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