Lemberg

Verwundete Ukrainer werden in Bergedorf behandelt

Spendenaktion: bz-Mitarbeiter Thomas Schütt fährt Hilfskonvoi nach Lemberg

Der Krieg und das hunderttausendfache Leid in der Ukraine lassen bz-Mitarbeiter Thomas Schütt nicht los - ebenso wie unzählige weitere Bergedorfer. Ihre Hilfsbereitschaft macht es möglich, dass unser Kollege über Ostern mit einem Lieferwagen voller Spenden nach Lemberg in die West-Ukraine reist. Alles wird er dort persönlich an Verwundete in den Krankenhäusern, Bewohner der zahlreichen Flüchtlings- und der Kinderheime gegeben. "Es werden bleibende Eindrücke", sagt der 45-Jährige, der mit seiner Reise auch Verwundeten-Transporte nach Bergedorf einleiten will.

Los geht es schon am Mittwoch. Von 8.30 Uhr an steuert Schütt mit einem Mercedes Sprinter, bezahlt vom CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator, zahlreiche Spender an. Unter anderem wird beim Bethesda Krankenhaus Verbandsmaterial eingeladen, eine Waschmaschine von Marktkauf sowie 450 Überraschungseier vom CCB geholt. Sogar eine ganze Arztpraxis-Einrichtung samt mehrerer Defibrillatoren wird eingepackt (die komplette Liste der Spender veröffentlichen wir nach Schütts Rückkehr). Voll beladen geht es abends nach Radeberg bei Dresden.

Dort treffen sich Spendentransporter aus ganz Deutschland, die wie die Bergedorfer dem Aufruf von EuroMaidan-Sachsen e.V. zur "Osterfahrt für die Freiheit und die Einheit der Ukraine und den Frieden in ganz Europa" folgen. Es ist der zweite humanitäre Ukraine-Konvoi der Sachsen, die dafür den Verein EuroMaidan gegründet haben. In seinem Namen brechen Gründonnerstag etwa 30 Fahrzeuge ins 1000 Kilometer entfernte Lwiw (Lemberg) auf.

Verläuft alles nach Plan, erreicht der Konvoi am nächsten Morgen das von unzähligen Flüchtlingen und Verwundeten aus dem Osten der Ukraine überlaufene Lwiw und später Iwano-Frankiwsk. Dort wird mit der Verteilung der Hilfslieferungen begonnen.

Thomas Schütt will noch am selben Tag in die Kleinstadt Winnyzja weiterreisen - das eigentliche Ziel seiner Mission: "Dort liegen die versprengten Reste des 128. Infanterie-Bataillons der ukrainischen Armee", hat er erfahren. "Sie hatten nach der Unterzeichung des Friedensvertrages von Minsk den Rückzug der Armee aus dem Kessel von Debalzewe im Osten des Landes gesichert - und dabei enorme Verluste erlitten."

Für sie hat unser Kollege kartonweise Verbandsmaterial dabei, für einige der Verletzten sogar die Zusage zur Behandlung in Bergedorf. In jedem Fall dabei sein soll ein junger Mann, den sie "Quasimodo" nennen: "Seinen Einsatz als freiwilliger Kämpfer hat er damit bezahlt, dass ihm beim Zusammensturz eines Hauses die rechte Gesichtshälfte zertrümmert und alle Zähne ausgeschlagen wurden", weiß Schütt von befreundeten Ukrainern.

Wie viele Verwundete nach Ostern von der Bundeswehr ausgeflogen und nach Bergedorf gebracht werden können, hängt vom Spendenaufkommen und den Kapazitäten der beiden Bergedorfer Kliniken ab: "UK Boberg als auch das Bethesda haben bereits zugesagt", ist Thomas Schütt stolz. "Das UK Boberg hat einen Fonds von 70 000 Euro für die Behandlung mittelloser Patienten. Bei einem durchschnittlichen Tagessatz von 600 Euro je Verwundetem reicht das zwar nur für wenige. Aber angesichts der riesigen Spendenbereitschaft der Bergedorfer habe ich die Hoffnung, den Fonds kontinuierlich wieder aufzustocken." Die Hilfe soll bis zum Ende des Ukraine-Konfliktes über den Verein Humanitas Ukraine in Reinbek, EuroMaidan- Sachsen und die Bundeswehr fortgesetzt werden.

Spenden: Verein EuroMaidan-Sachsen, Ostsächsische Sparkasse Dresden (IBAN: DE46 8505 0300 0221 0658 65), Stichwort: Ukraine/Bergedorf