Lohbrügge

Wenn der Leerstand zum Klassenzimmer wird

Luisen-Gymnasium: Beim Projekt "Kultur.Forscher!" gehen Schüler ihren eigenen Fragen auf den Grund

"Ungemütlich", "trist" und "leer": Die ersten Stichworte, die den Neuntklässlern des Luisen-Gymnasiums zur Beschreibung der Alten Holstenstraße und des Leerstandes in der Hausnummer 12 in Lohbrügge einfallen, sind nicht unbedingt positiv. "Aber seitdem es das neue Pflaster gibt, wirkt die Einkaufsstraße schon heller und netter", versucht Tom Mielitz den Eindruck zu heben. Seit Freitag erforschen er und seine 27 Klassenkameraden den Stadtteil Lohbrügge.

"Was braucht dieser Ort?": So lautet die übergreifende Frage, mit der sich die Schüler im Rahmen des Projektes "Kultur.Forscher!" beschäftigen. Am Freitag tauschten sie dafür erstmals ihr Klassenzimmer mit dem leeren Gebäude, in dem bis vor Kurzem noch die "Gastwerkstatt" des Werkzeugdoktors Jens Michaelsen war. Unter anderem von diesem Stützpunkt aus wollen sie den Stadtteil erkunden, recherchieren, Passanten, Anwohner und Experten befragen - und das auf eigene Faust.

Denn Ziel des Projektes ist es, dass die Schüler ihre eigenen Unterfragen zum Thema entwickeln und versuchen, diese aus verschiedenen Perspektiven zu beantworten. Ob aus künstlerischer, wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Sicht: Alles ist erlaubt. Ästhetische Forschung nennt sich die Herangehensweise, die in dieser Form erstmals am Luisen-Gymnasium Anwendung findet.

Hinter dem Projekt steckt unter anderem Geografie- und Kunstlehrer Matthias Laabs. Er ist überzeugt von dessen Erfolg: "Eine Schule ist immer auch so ein kleiner Elfenbeinturm. Wir wollen die Jugendlichen aber aufs Leben vorbereiten, und deswegen konfrontieren wir sie in diesem Projekt mit ihrer direkten Umgebung." Der Freiraum, der sich dabei biete, sei ideal, um Schüler an das selbstständige Forschen heranzuführen.