Bergedorf

Sachsentor: Schönheit wichtig - Internet-Konzept erst später

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Ulf-Peter Busse

Grundeigentümer: BID-Konzept gegen Kritik verteidigt - Transparenz versprochen

Die Hiobsbotschaften für Einkaufsstraßen wie das Sachsentor nehmen zu: Vom erwarteten Kaufrausch vor Weihnachten profitiert laut Umfragen wieder besonders die Konkurrenz im Internet. "Das wird uns in den kommenden fünf Jahren noch richtig zu schaffen machen", erwartet Sachsentor-Grundeigentümer Horst Rödinger ("Sachsentor-Buchhandlung") - und setzt auf Bergedorfs Wunderwaffe: die Neuauflage des Grundeigentümer-Zusammenschlusses BID Sachsentor.

Auch für Karl-Dieter Broks, Inhaber des Neuen Mohnhofs ("H&M", "Esprit"), steht fest: "Wenn wir das neue BID nicht bekommen, fährt der Standort gegen die Wand." Wie diese Erwartungen erfüllt werden sollen, ist noch bis 3. Dezember bei der Bergedorfer Wirtschaftsförderung einzusehen im zweiten Stock des Nebengebäudes vom Rathaus, Wentorfer Straße 38a. In Zimmer 204 steht das knapp 763 000 Euro schwere Maßnahmen- und Finanzierungskonzept zur Abstimmung. Es nennt konkrete Summen, welchen Anteil des Budgets das BID bis 2020 in die Sauberkeit des Sachsentors, seine Weihnachtsbeleuchtung, die Werbung sowie ins Management stecken soll. Nur eine konkrete Strategie gegen die Konkurrenz von Internet oder Outlet-Centern an den Autobahnen wird nicht angeführt.

Abstimmen können alle Eigentümer der insgesamt 102 Immobilien entlang des Sachsentors und seiner Nebenstraßen, denn sie müssen die Dreiviertelmillion Euro des BID-Etats als Aufschlag auf die Grundsteuer bezahlen. Es sein denn, ein Drittel der Betroffenen stimmt bis Anfang Dezember dagegen. So will es das Hamburger BID-Gesetz. Bisher liegen dem Bezirksamt Widersprüche für acht Immobilien vor.

Um diese Zahl nicht weiter steigen zu lassen, luden die Verantwortlichen des BID-Entwurfs zusammen mit dem Bergedorfer Wirtschaftsverband WSB zum Gedankenaustausch in den Speicher der Weinhandlung von Have ein. Die Resonanz blieb mit zwölf Besucher zwar überschaubar, doch an Kritik wurde nicht gespart: Das BID-Management sei mit knapp 215 000 Euro oder gut 28 Prozent des Gesamtetats eindeutig zu teuer, monierte Regina Klemm-Wenk ("Bücherhalle"). Zudem fehle der Lenkungsgruppe die demokratische Legitimation, weil sie vom WSB als Träger einfach eingesetzt werde. Und sie befürchte, dass die Prüfung der Ausgaben, wie schon in den Vorgänger-BIDs, alles andere als transparent ablaufe.

In seiner Antwort ließ WSB-Chef Malte Landmann durchblicken, dass das Quartiersmanagement noch ausgeschrieben, ein Teil des Budgetansatzes also vielleicht in Projekte statt ins Honorar fließen werde. Auch über eine jährliche Neuwahl der Lenkungsgruppe werde nachgedacht. Zur Abrechnungstransparenz sagte WSB-Geschäftsführer Marc Wilken, dass "alle Grundeigentümer ein Recht darauf haben, über den Umgang mit ihrem Geld detailliert informiert zu werden. Das stelle ich künftig sicher."

Deutliche Worte über das fehlende Internet-Konzept des neuen BID übte Schuhhändler Wido Schüttfort: "Beim Blick auf die kommenden fünf Jahre muss das Sachsentor nicht nur das Internet sondern ganz gezielt auch Soziale Netzwerke wie Facebook und Kurznachrichtendienste wie Twitter für sich erschließen. Nur wenn wir auf allen modernen Kanälen für uns und die Vorzüge des Einkaufsvergnügens zum Anfassen im Sachsentor werben, gewinnen wir die so wichtigen jungen Käuferschichten."

Konzepte dafür blieb Malte Landmann schuldig. Er sieht den Kern des BID bis 2020 vielmehr darin, die Aufenthaltsqualität der Bergedorfer City mit Sachsentor, Schloss und Hafen zu entwickeln und zu bewerben, "damit man gern hierher kommt. Eine Internet-Strategie werden wir in Ruhe entwickeln, wenn wir 2015 die Arbeit aufnehmen."

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