Debatte

Streit um Parkraum im Villengebiet

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Christina Rückert

Foto: Christine Schmidt

Bergedorf. Auf Anweisung des Senats sollen mehr Knöllchen geschrieben werden. Das Bergedorfer Villengebiet ist dabei ein lohnendes Einsatzziel. Gibt es zu wenig Parkplätze?

Karin M. traute ihren Augen kaum. Hinter der Windschutzscheibe ihres am Doktorberg geparkten Autos steckte ein Knöllchen. Und die 58-Jährige rätselte, was sie denn falsch gemacht habe, als sie auf dem sandigen Randstreifen zwischen Gehweg und Straße geparkt hatte – denn ein ausgewiesenes Parkverbot war weit und breit nicht zu erkennen.

Was wie ein Kuriosum klingt, hat sich im Bergedorfer Villengebiet offenbar zu einem Problem ausgewachsen. Zwar ist es schon seit Jahren so, dass das Parken auf Randstreifen eigentlich nur dort erlaubt ist, wo blaue Schilder es ausdrücklich gestatten. Doch dass das kaum jemand wusste und befolgte, fiel mangels häufiger Kontrollen nicht auf.

Villengebiet ist lohnendes Ziel für Knöllchenschreiber

Inzwischen jedoch treffen mehrere Probleme aufeinander. Zum einen seien aus vielen Villen über die Jahre Mehrfamilienhäuser geworden, zu denen auch mehr Autos gehören, stellt die CDU in einem Antrag fest, den sie Donnerstag zur Bezirksversammlung einreichte. Zum anderen werden inzwischen auch im Villengebiet regelmäßig Knöllchen geschrieben. Bezirklicher Ordnungsdienst und Polizei wollen es zwar nicht wirklich gewesen sein. Fakt ist jedoch, dass auf Anweisung des Senats mehr Knöllchen geschrieben werden sollen. Und das Villengebiet ist dabei ein lohnendes Einsatzziel, wie Anwohner zu spüren bekommen haben.

So wollte die CDU nun anstoßen zu prüfen, wo im Villengebiet das Parken legalisiert werden kann. Doch SPD und Linke konnten der Idee so gar nichts abgewinnen. „Wo, wenn nicht in diesem Gebiet, gibt es genügend Platz, sein Auto abzustellen?“, lästerte Stephan Jersch (Die Linke). Auch Paul Kleszcz (SPD) meinte: „Es gibt wirklich andere Gegenden mit Parkplatzproblemen.“ Die Bewohner des Villengebietes hätten doch meist eigene Garagen und Stellplätze – warum also dafür den öffentlichen Raum nutzen, so die Meinung aus beiden Fraktionen. Sie wollten sich „mangels Sinn“ einer weiteren Diskussion im Verkehrsausschuss verschließen.

Öffentliche Parkplätze für alle, nicht nur für Anwohner

Doch um Stellplätze für Villenbewohner gehe es gar nicht, sondern um öffentliche Parkplätze für alle, kritisierte CDU-Fraktionschef Sven Noetzel die entbrannte „Sozialneiddebatte“. Mit dem Bergedorfer Gehölz oder dem Krankenhaus gebe es im Villengebiet durchaus gut besuchte Orte mit entsprechendem Parkdruck. Anwohner wie „Forsthaus“-Inhaber Stefan Fraas fürchten sogar: „Wenn jetzt vor meinem Lokal oft aufgeschrieben wird, bleiben die Stammgäste weg.“

Nicolai von Podlewski (GAL) führte die hitzige Debatte zurück auf sachlichen Boden: „Villengebiet ist nicht gleich Villengebiet“, stellte er fest. Es gebe durchaus Straßen, wo die Parksituation schwierig sei, in anderen wiederum sei die Lage entspannt, „Es ist aber sinnvoll, sich das mal genau anzugucken.“ Tatsächlich sahen das auch einige SPD-Bezirkspolitiker so, stimmten gegen den Rest ihrer Fraktion und verhalfen der Vorlage so in den Verkehrsausschuss.

Dort jedoch wird das Problem ohnehin Thema sein: Derzeit werde im Bezirksamt eine Vorlage erarbeitet, wo eventuell mit welchem Aufwand Parkflächen ausgewiesen werden könnten, so Christoph Lindemann, Chef des Fachamts Management des öffentlichen Raumes, gestern auf Anfrage. Etliche Anwohnerbeschwerden haben das Amt zur Prüfung bewogen. Die Vorlage soll am 10. Juni im Verkehrsausschuss Thema sein. Die Polizei signalisiert Zustimmung für weiteren Parkraum: „Wenn die baulichen Voraussetzungen an den einzelnen Orten stimmen, werden wir uns dem nicht verschließen“, so Verkehrspolizeichef Hans-Jürgen Gäth.

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