Logistikpark

Tellerschnecke verschlingt Geld im Eiltempo

Foto: www.aufwind-luftbilder.de / Montage Weitzel / Ammerschubert

Bergedorf. Bis heute ist nicht klar, ob das Projekt "Green Logistic" an der A25 jemals Realität wird. Nachdem der geplante Logistikpark von ursprünglich 40 auf nur noch 18 Hektar geschrumpft war, waren dort die geschützten "Zierlichen Tellerschnecken" entdeckt worden. Aktuell sind mehr als 260.000 Euro für die Umsiedlung der Tierchen veranschlagt.

Die CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Roland Heintze (Unternehmensberater) und Dennis Gladiator (CDU-Kreisvorsitzender Bergedorf) haben vom Senat Aufklärung zu den Realisierungschancen des geplanten grünen Logistikparks gefordert. Außerdem zu Verzögerungen, den finanziellen Folgen wie auch zur Frage, ob Senat und Bezirksamt das Vorgehen „in finanzieller Hinsicht“ für angemessen halten.

Die Antwort ließ Gladiator stutzen. Nicht der Verweis auf deutsches und europäisches Naturschutzecht und das langjährige Prüfverfahren, ob sich die maximal fünf Millimeter große Tellerschnecken auf Flächen und in Gräben der Vier- und Marschlande umsiedeln lasse. Aber der Satz: „Für das Monitoring wurde im August 2012 ein Vertrag über 145.177,42 Euro brutto abgeschlossen.“

In ihrer Anfrage hatten die Christdemokraten auf Kosten einer Voruntersuchung in Höhe von fast 120.000 Euro abgezielt. „Wenn ich diese Antwort richtig verstehe, kommt die andere Summe noch oben drauf“, sagt Gladiator. Tatsächlich ist dieses Geld für die testweise Umsiedlung der kleinen, sehr seltenen Schnecke vorgesehen, die 2011 zum „Weichtier des Jahres“ erklärt wurde. „Die Beobachtung des Umsiedlungsversuchs wird voraussichtlich bis Herbst 2015 dauern, durch ein Monitoring begleitet und mit einem Abschlussbericht enden“, teilt der Senat mit. „Im Erfolgsfall“ könnten Anfang 2016 „aus fachlicher Sicht die übrigen Bestände umgesiedelt werden“, was weitere Kosten in noch nicht bekannter Höhe bedeuten würde.

So lange darf Bergedorfs Verwaltung allerdings nicht warten. „Wir planen das Logistik-Areal derzeit um die Tellerschnecken-Population herum, für den Fall, dass sie nicht umgesiedelt werden kann“, bestätigt Axel Schneede, Leiter der übergeordneten Planung im Bezirksamt. Für die Verkehrsanbindung wird eine kostspielige Trasse in Verlängerung der Straße Lehfeld über das ehemalige Klärwerk geprüft.

Die Hoffnung vieler Politiker und Naturschützer, mit Hilfe der geschützten Tellerschnecke die Planungen zumindest aufzuhalten oder dem grünen Logistikpark den Garaus zu machen, erfüllen sich derzeit nicht. Obwohl Teile der ehemaligen Schwarz-Grünen Koalition, die den Logistikpark initiert hatte, inzwischen von dem Projekt abrücken. „Ein geschütztes Bodendenkmal in der Nachbarschaft und das Tellerschnecken-Biotop stehen einer großflächigen Logistiknutzung entgegen“, befindet Gladiator: Eine kleinteiligere Nutzung, etwa durch Handwerksbetriebe, sei dagegen eine Option.