Mahnmal

Neun Verletzte bei Festakt

"Liebe Gäste der Gedenkfeierstunde, ich begrüß.... - nein, halt! Was ist denn das?!" Pastorin Angelika Schmidt verschlägt es die Sprache, als nur wenige Schritte vor ihren Augen ein Attentäter die Besuchergruppe ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter und deren Nachkommen mit Pfefferspray verletzt. Dabei sollte die gestrige Enthüllung des Mahnmals zur Zwangsarbeit am Kampdeich in Bergedorf ein weiterer symbolischer Akt der Versöhnung mit den Opfern der schlimmen deutschen Geschichte sein. Der Attentäter Frank A. (42) aus Lohbrügge hat das mit seiner feigen Überraschungstat zunächst verhindert.

Schreie, Tumult, Polizisten stürmen auf den Täter zu, führen ihn ab. Mehrere Gäste versorgen die schockierten Verletzten, spülen ihnen den Reizstoff aus den Augen, reden beruhigend auf die alten Leute ein. Eine junge Frau besorgt geistesgegenwärtig Augentropfen aus der Apotheke. Minuten später kommen die Rettungswagen, bringen die Verletzten ins Krankenhaus, wo sie sich nach ambulanter Behandlung schnell erholen.

Auch die Gäste der Feierstunde erholen sich allmählich von dem Schock, fahren sichtlich angeschlagen, aber fest entschlossen fort mit der Zeremonie.

"Dieses Mahnmal soll ein Stein des Anstoßes sein", erklärt Bezirksamtsleiter Arne Dornquast. "Es soll uns immer wieder Anstoß zum Erinnern und Nachdenken sein. Hier auf dem Gelände der ehemaligen Stuhlrohrfabrik, wo unter dem Nazi-Regime Zwangsarbeiter Kriegsmaterial produzierten, ist der richtige Ort dafür."

"Erinnern ist keine leichte Kunst", ergänzt die polnische Vizekonsulin Karoline Kowalska. "Kollektives Erinnern funktioniert in räumlichen Bildern wie diesem Mahnmal. Es symbolisiert den Zwang, die Enge, die Angst, die Bergedorfs Zwangsarbeiter jahrelang hier erlebt haben."

Der Schock der Reizgas-Attacke aber wirkt weiter, auch nach der Feierstunde. "Warum habe ich nicht eingegriffen, als der Kerl auf die alten Leute losgegangen ist?", fragt sich Selina Dukowski (36) verzweifelt. Sie macht sich Vorwürfe: "Ich stand hier wie gelähmt." Die beiden SPD-Politiker Fritz Manke (71) und Dagmar Strehlow (67) finden es "hochnotpeinlich, was hier passiert ist. Wir können es noch gar nicht glauben."

"Diese Tat ist nicht zu entschuldigen, aber ich bitte die Polen um Vergebung." Arne Dornquast - Bezirksamtschef in seiner Rede