Unfertig

ZOB: Ein langer Endspurt mit ungewissem Schluss

Bergedorf Der neue ZOB und Bergedorfs neuer Bahnhof stehen für alles Mögliche - nur sicher nicht für Geschwindigkeitsrekorde.

Mit Jahren Verspätung laufen derzeit Prüfungen des Eisenbahnbundesamtes und von der Bahn AG beauftragter Fachfirmen: Erst wenn die abgeschlossen sind, will das Staatsunternehmen den Bahnhof vom Bauherrn VHH übernehmen. In einem Punkt überholt die aktuelle Entwicklung jedoch gerade sich selbst: Wurde noch zu Wochenbeginn über eine Umnutzung leer stehender Kioske gesprochen, ist einer jetzt wieder in Betrieb.

Bergedorfs Seniorenbeirat hat bereits mehrfach die zugige ZOB-Insel und das Fehlen von geschützten Wartebereichen kritisiert. Dem Vorstoß, doch zumindest einen derzeit ungenutzten Kiosk in eine geschützte Wartezone umzuwandeln, beschied VVH-Bauleiter Rainer Strickert wenig Realisierungschancen: "Die drei Kioske sind langfristig vermietet".

Tatsächlich ist einer seit Donnerstag wieder in Betrieb. Die Nutzung der beiden anderen werde derzeit überlegt, bestätigte der Betreiber des gerade eröffneten Kiosks. Neben Backwaren, Kaffee sowie gekühlten Getränken und Süßigkeiten sind hier auch Zigaretten, Zeitschriften und Zeitungen zu haben.

Die VHH analysiere derzeit, ob am südwestlichen Ende der ZOB-Insel zumindest ein Windschutz installiert werden könne, sagt Strickert. Das Problem: "Wir dürfen mit der Befestigung nicht die Abdichtung zum darunter liegenden Parkhaus durchstoßen. Derzeit wird eine Befestigung an der Stahldachkonstruktion geprüft." Die ist bis heute nicht komplett, es fehlen noch einige Abdichtungen.

Bislang ungeklärt ist auch die Frage, wann die eingehüllte Notrufsäule auf dem ZOB endlich in Betrieb geht. "Der zuständigen Firma ist es bis heute nicht gelungen, sie anzuschließen", bestätigt Strickert. Auch für die fehlende elektronische Anzeigentafel ist keine Lösung in Sicht, "die technischen Probleme bestehen fort". Noch gedulden müssen sich Bergedorfer, die eine Uhr am Gebäude vermissen: Die soll erst nach Übernahme des Bahnhofs von der Bahn AG installiert werden. Größere Sorgen bereiten den VHH eher Fahrgäste, die das Thema Barrierefreiheit für sich selbst neu definieren. "Radfahrer und Fußgänger nutzen die Bus-Rampen."

Robert Gruber, Lehrer und Linkspolitiker im Verkehrsausschuss, verwundert das mit Blick auf den Bergedorfer Bahnhofsausgang kaum. "Wenn ich mit Schülern samt Rädern auf dem ZOB ankomme, ist das für die Jüngeren ein Problem. Räder samt schweren Satteltaschen die Treppen runterwuchten, ist eine Tortur." Eine Rampe wie auf der Lohbrügger Bahnhofsseite gibt es am gegenüberliegenden Ausgang nicht - aber einen Aufzug zwischen ZOB und Bahnhofshalle.