Jugendtreff Boberg

Jugendbude: "Kids kommen wie die Motten zum Licht"

Boberg. "Hey Jonny, heute ist Dienstag!" Erstaunt dreht sich der Junge um, zieht sich die Schuhe wieder an - und geht. Denn dienstags ist Mädchentag im Jugendtreff am Bockhorster Weg. So steht es auch groß an der Wand, in den Haus- und Spielregeln.

Diesmal aber fläzen sich die Mädchen nicht auf den weißen Sofas (waschbar!), sondern oben auf dem Sonnendeck des Holzhauses: "Zwei- bis dreimal die Woche sind wir hier. Wir spielen Uno, backen und kochen. Meist ist einfach nur chillen angesagt", berichten Elena (12) und Vanessa (13).

Die für 200 000 Euro erbaute Jugendbude, die im Januar eingeweiht wurde, wird inzwischen sehr gut angenommen: 30 bis 50 Jugendliche, meist zwischen 12 und 14 Jahren, werden täglich begrüßt: "Die kommen wie die Motten zum Licht, haben das Haus für sich entdeckt", sagt Diplom-Pädagoge Stefan Baumann (35), der eine halbe Leitungsstelle hat - die zweite Hälfte arbeitet er im Lohbrügger "Clippo", das auch vom Verein In Via betrieben wird. Und so gibt es einige Kinder, die das Boberger Haus "Clippo zwei" nennen.

Was ist los im Jugendtreff, um den Bergedorfs Politiker und das Jugendamt lange Jahre gerungen und gekämpft haben? Billard und Kickern sind beliebt, natürlich läuft auf beiden Etagen unterschiedliche Musik. "Hier habe ich Zeit für mich und kann mit Freunden quasseln", sagt Egor (12), der auch die Ferienfahrt zum Schalsee toll fand. Und viele Boberger Kids schätzen, dass kaum mehr Jugendliche aus den westlichen Nachbar-Stadtteilen kommen. Nicht hinter vorgehaltener Hand sagen sie: "Super, dass hier nicht mehr so viele Mümmel-Leute sind."

Geöffnet ist werktags von 16 bis 20 Uhr, montags ist dicht - aber das soll sich bald ändern: Wer über 15 Jahre alt ist, kann demnächst auch montags zwischen 18 und 21 Uhr kommen. Da gibt es schon eine Handvoll Jugendliche, die eine Gruppenleiter-Ausbildung machen wollen, damit das Haus auch selbstverwaltet geöffnet wird. "Manche dürfen dann einen Schlüssel haben, aber nur, wenn sie Verantwortung tragen und hier nicht zu Facebook-Partys à la Tessa einladen", betont Baumann.

Freitags bietet Silke Heinsohn vom Projekt "Faktiv" vormittags eine offene Beratung für Eltern, die Hilfe bei Behörden- oder Gerichtsterminen brauchen. Und ab und zu wird es auch für die Jugendlichen ernst: "Wir diskutieren auch über Dankbarkeit, Gewalt und Respekt", sagt der Pädagoge, der ein offenes Ohr hat für die Sorgen und Wünsche der Kids. "Wir brauchen dringend mehr Mülleimer und bunte Blumen", spricht etwa Nicole (15) für die Mädchen-Gruppe. Und tatsächlich: Das Jugendamt spendiert jetzt 500 Euro für Sitzsäcke und Blumen auf der Dachterrasse. Das Frühlingsfest am Boberger Bürgerhaus brachte zudem 600 Euro an Spenden ein. So soll es auch auf dem Außengelände eine Sitzecke geben, werden Fahrradständer gebaut.

Nicht zuletzt freuen sich auch die coolen Jungs von der Skaterbahn über ihre neue Pipe. "Wobei wir noch mehr Elemente bräuchten und gern den Skaterpark ausweiten werden. Denn auf dem angrenzenden Basketballplatz spielt sowieso niemand", sagen Lucas (12) und Christopher (15). Aber sie sind erfinderisch, damit keine Langeweile aufkommt: Für Sonnabend, 22. September, laden sie zwischen 15 und 21 Uhr zum "Skater-Contest" ein - und haben bereits Preise für die drei Besten organisiert. Also: Schnell vor Ort anmelden!