Totschlag

Messer-Prozess: Zur Tatzeit 3,7 Promille

Bergedorf. "Eine männliche Person lag bei unserem Eintreffen reglos auf dem Fußboden des Wohnzimmers, außerdem hielt sich noch ein zweiter Mann mit nacktem Oberkörper und einer starken Alkoholfahne in der Wohnung auf."

Mit drastischen Worten schilderte die Bergedorfer Polizeibeamtin Katja K. (31) gestern als Zeugin vor dem Hamburger Landgericht ihren Einsatz am 8. Februar. Zusammen mit einem Kollegen war sie zu einer Messerstecherei in einem Haus in der Holtenklinker Straße gerufen worden (wir berichteten).

Fast zeitgleich mit der Polizei traf der Rettungswagen ein. Der durch Stiche in Lunge und Herz schwer verletzte Thomas H. (40) wurde ins Bethesda-Krankenhaus gebracht. Dort starb er auf dem Operationstisch. Die Stiche werden dem 54-jährigen Wohnungsinhaber Michael F. angelastet, gegen ihn verhandelt das Gericht wegen Totschlags.

Schon beim Eintreffen der Polizei richtete sich der Verdacht gegen ihn. "Ich habe ihn abgestochen, weil er mich bedroht hat", soll F. zu den Beamten gesagt haben. "Als die Sanitäter eintrafen, drängte ich den Mann nach nebenan ins Schlafzimmer und belehrte ihn, dass er sich als Beschuldigter nicht zu den Tatvorwürfen äußern müsse", sagte die Polizistin gestern, "er verhielt sich ruhig und diszipliniert, wir hatten keine Schwierigkeiten mit ihm." Nur sein deutlicher Alkoholgeruch sei ihr aufgefallen, sein Gang sei sicher und seine Sprache deutlich gewesen. Der Alkoholtest hatte dann jedoch rund 3,7 Promille ergeben.

Auch während der gestrigen Verhandlung verhielt sich Michael F. völlig ruhig. Mit unbewegtem Gesicht saß er neben seiner Anwältin Kathrin Schulz. An den ersten beiden Prozesstagen hatte er die Richterin und die Staatsanwältin noch mehrmals angepöbelt.

Eine Nachbarin von Michael F. könnte die Tat nach den Feststellungen der Polizei beobachtet haben. Die Zeugin fehlte aber schon bei dem vorherigen Verhandlungstag und war auch gestern nicht erschienen. Jetzt soll sie auf Beschluss des Gerichts von der Polizei zum nächsten Termin vorgeführt werden.

Der Prozess geht weiter.

"Er war ganz ruhig, machte keinerlei Schwierigkeiten." Katja K. (31) Polizeibeamtin, über den Angeklagten unmittelbar nach den Messerstichen