Kundgebung

Nur 16 NPD-Anhänger protestierten in Lohbrügge

Lohbrügge. Zur geplanten Kundgebung der NPD in der Alten Holstenstraße sind weitaus weniger Anhänger der rechtsextremen Partei gekommen, als im Vorwege erwartet. Ein Großaufgebot der Polizei hielt die fast 130 Gegendemonstranten auf Abstand.

Mit Trillerpfeifen und Töpfen, mit Seifenblasen und Konfetti stellten sich am Mittwochnachmittag die etwa 130 Bergedorfer den Rechtsradikalen entgegen, die am Eingang zur Alten Holstenstraße eine Kundgebung angemeldet hatten. Punkt 15 Uhr parkte der Lastwagen der NPD vor dem Medical-Center. Abgezählte 16 Neonazis rollten ein Transparent aus und bauten Lautsprecher auf, während die ersten Bürger – darunter auch Vertreter der SPD und Linken aus der Bezirksversammlung, der Verein für Völkerverständigung und viele junge Menschen aus dem Antifa-Umfeld des Jugendzentrums „Unser Haus“ – lautstark ihren Unmut äußerten.

„Neonazis raus“, „Lügner“ und „Halt dein Maul“, riefen die Protestler, als Thomas Wulff, der Vize-Landesvorsitzende der Hamburger NPD, von „meiner Heimatstadt Bergedorf-Lohbrügge“ sprach, die NPD als „nationale und soziale Bewegung“ darzustellen versuchte. „Gegen Rechts“ stand auf einer flatternden Fahne, die direkt neben der ersten Polizeikette wehte, die NPD-ler und Antifaschisten trennte.

Mit 200 Beamten, die Helme, Schlagstöcke und Tränengas bei sich führten, war die Hamburger Polizei angerückt. Zwei Wasserwerfer parkten vorsorglich vor der Bergedorfer Berufswehr. Doch zu größeren Ausschreitungen kam es nicht. Nur um 15.35 Uhr wurde es einmal kurz brenzlig: Aus dem Ladengeschäft von „Hallo Pizza“ – gleich neben Optiker Hoeft – stürmte eine Gruppe von Männern in den abgesperrten Bereich. Ein Polizist erhob drohend seinen Schlagstock. Nicht nur die Mitarbeiter des Pizza-Dienstes waren dabei, auch andere Protestler in meist schwarzen Jacken hatten sich zuvor Zutritt durch das Hinterhaus verschafft. „40 Leute versuchten, die Polizeikette zu durchbrechen“, bestätigt Polizei-Sprecher Holger Vehren. Bereitschaftspolizisten drängten sie jedoch zurück, bevor es Kontakt zu den NPD-Anhängern gab. Um 17.10 Uhr war der Einsatz friedlich beendet, konnten die Neonazis einpacken.

Zu ihrer so genannten „Deutschlandfahrt“ startete die NDP mit dem 7,5-Tonner am 12. Juli in Wolfsburg. Die Partei will bis Mitte August in 52 Städten gewesen sein. Das Motto der Kundgebung in Bergedorf lautet: „Wir wollen nicht Zahlmeister Europas sein – raus aus dem Euro.“ Angemeldet wurde die Kundgebung von einem Patrick Wieschke aus Eisenach. Er ist der Bundesorganisationsleiter der NPD.

17 NPD-Anhänger hatte sich am Mittwochvormittag bereits zu einer Kundgebung am Hamburger Hauptbahnhof versammelt. Rund 300 Gegendemonstranten hatten die Reden der Rechten dort begleitet. Zunächst blieb alles friedlich, später kam es vereinzelt zu Rangeleien, in deren Verlauf die Polizei auch Wasserwerfer bereit stellte. Eine Ansprache von Thomas Wulff verhallte auch hier im Lärm der linken Gegendemonstranten.