Schloss

Museum in Gefahr – Hamburg will 43,5 % einsparen

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Bergedorf. Die Hamburger Kulturbehörde will die Zahlungen für den Betrieb des Bergedorf-Museums und des Rieck-Hauses um 195.000 Euro kürzen. Insider sehen in dem Konzept einen Versuch, die Verselbstständigung der bergedorfer Museen zu verhindern. Der Bezirk hat die behördeninterne Abstimmung über das Papier stoppen lassen.

Der Kampf ums Schloss nimmt kuriose Züge an. Nach einem der Redaktion vorliegenden Papier aus der Hamburger Kulturbehörde soll der Bezirk Bergedorf statt der geforderten 448.000 Euro lediglich 253.000 Euro jährlich für den Betrieb des Bergedorf-Museums und des Rieck-Hauses erhalten. Zugleich soll das Bezirksamt elf Mitarbeiter (5,8 Stellen) übernehmen. Die genannte Summe reicht kaum für die Personalkosten. „Vom eigentlichen Betrieb, Heizungs- und Stromkosten und Mietzahlungen ganz zu schweigen“, warnt Dennis Gladiator, Bürgerschaftsabgeordneter und CDU-Vorsitzender Bergedorf.

Dass das vorliegende, gut 80 Seiten starke Papier in der Form überhaupt schon in die behördeninterne Abstimmung gegeben wurde, nährt für viele den Verdacht, die Verselbstständigung der Bergedorfer Häuser solle noch torpediert werden.

Kritiker wie Gladiator sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Der einstimmige Beschluss der Bezirksversammlung, Museum und Rieck-Haus aus der ungeliebten Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) herauszulösen, sei nicht in Einklang zu bringen mit dem Beschluss der SPD-Bürgerschaftsmehrheit: „Ausgabenneutral ist das nicht zu machen. Auf Basis solcher Zahlen würde eine Übertragung der Bergedorfer Museen an das Bezirksamt ihre Existenz bedrohen.“

Es bleibt die Frage, wer die Zahlen zusammengetragen hat. Und wer den Konzeptentwurf für die künftige Entwicklung der Museumsstiftung nach einer Herauslösung der Bergedorfer Häuser und des Helms-Museums formuliert hat.

Während die Bergedorfer eine Deckungslücke von 195.000 Euro (43,5 % Prozent) hinnehmen sollen, wird für das in Harburg beheimatete Museum für Vor- und Frühgeschichte eine nicht finanzierbare Lücke von 115.000 Euro genannt. Angesichts eines attestierten Bedarfs von knapp 2,4 Millionen Euro eine auffällig kleine Diskrepanz von gerade 4,8 Prozent.

„Diese Zahlen stimmen doch hinten und vorn nicht“, monieren Insider. Für das Schloss werden etwa Einnahmen aus Sachspenden und Schenkungen von 50.000 Euro angeführt, ohne Beleg und ganz so, als sei mit solchen warmen Regen künftig regelmäßig zu rechnen.

„Das Papier wirkt, als hätte es die Museumsstiftung und nicht die Kulturbehörde verfasst“, kritisiert Gerd Lein, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Lohbrügge. So könne dies nicht nachvollziehbare Zahlenwerk keine Grundlage für die Zukunft von Schloss und Rieck-Haus sein. „Bergedorf will sich ja beteiligen, es wurden schon Abstriche gemacht. Aber die Museumsstiftung kann doch nicht auf Kosten von Schloss und Rieck-Haus saniert werden.“

Tatsächlich nennt das Papier für das unter chronischem Besuchermangel leidende Museum für Arbeit eine „denkmalgerechte Sanierung und Aufstockung des Torhauses“ (Kosten ca. 2 Millionen Euro) oder 850.000 Euro für die Einrichtung eines Druckhauses samt interaktiver Dauerausstellung. 60 Millionen Euro für eine „Hafenerlebniswelt“ scheinen den Verfassern aber doch nicht finanzierbar.

Die Mietzahlungen für das Schloss waren von Beginn an ausgeklammert, stellt Bergdorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast klar, „sie haben als durchlaufender Posten nichts mit dem künftigen Vertragsverhältnis zwischen uns und der Stiftung zu tun“. Einen Fehlbetrag von 195.000 Euro jährlich kann der Bezirk jedoch unmöglich decken. Das Papier bleibt auch schwammig zur Finanzierung eines künftigen Kurators (oder Kulturmanagers), der anstelle des bisherigen Museumsleiters künftig Ausstellungs- und Kulturbetrieb für Schloss und Rieck-Haus organisieren soll. Zu viele Fragen sind offen. Für Dornquast Grund, die Notbremse zu ziehen: „Das Bezirksamt hat die Finanzbehörde als Bezirksaufsicht gebeten, die behördeninterne Abstimmung zu stoppen. Bis alle zentralen Punkte geklärt sind.“