Reformen

Bergedorfs CDU setzt aufgrößere Bodenhaftung

Bergedorf (he). Die meisten Parteien leiden unter Mitgliederschwund, allein Regierungswechsel bescheren gelegentlich leichte Zuwächse.

Die CDU hat in Bergedorf rund 500 Mitglieder, hat weniger unter dem Machtverlust in Hamburg als unter den Eskapaden von Christian Wulff als Bundespräsidenten gelitten. Auf einer Klausurtagung haben sich die Teilnehmer für mehr Beteiligung Parteifremder ausgesprochen - und für engere Zusammenarbeit von Partei und Fraktion.

Vereinen wie Parteien fällt es zunehmend schwer, neue Mitstreiter längerfristig an sich zu binden, um Mitgliederschwund durch Tod oder Austritte zu kompensieren. Mit "Politik aus einer Hand", ohne Unterscheidung, ob hinter den Kulissen Bezirksfraktion oder Bürgerschaft zuständig sind, ob Kreisvorstand oder Ortsverbände die richtigen Ansprechpartner wären, will die CDU den Bürgern näher kommen.

"Wie bei unserem Zukunftskonzept Bergedorf 2015 wollen wir die Menschen stärker einbeziehen", sagt CDU-Kreischef Dennis Gladiator (31). Ein künftiger gemeinsamer Internetauftritt von Kreisverband und Ortsverbänden soll den Weg ebnen. "Wir können zwar nicht garantieren, dass nicht versucht wird, Internetbefragungen zu manipulieren, oder dass es zu Ergebnissen kommt, die mit den Grundzügen christdemokratischer Politik nicht zu vereinbaren sind", dennoch will die Union diesen Weg gehen.

Auch innerparteilich sind Reformen angesagt. Nicht Vorstand oder die Delegierten der Ortsverbände im Kreisausschuss sollen über die Ergebnisse der Klausurtagung entscheiden, sondern eine Versammlung aller interessierten Bergedorfer Christdemokraten. Eine breitere Basis wird künftig auch über die Aufstellung der Kandidaten für die Bezirksversammlung entscheiden. "Die Bezirksliste wird nicht durch den Kreisvorstand benannt sondern durch eine Mitgliederversammlung im Bezirk Bergedorf aufgestellt. In den sieben Wahlkreisen entscheiden Wahlkreis-Mitgliederversammlungen über die jeweiligen Kandidaten", kündigt Gladiator an.

Dass auch zu den Wahlen zur Bezirksversammlung im Sommer 2013 Wahlkreise eingeführt werden, und diese teils über mehrere Stadtteile reichen, macht die Situation ähnlich schwierig wie im Bundestagswahlkreis. Über die Besetzung der Kandidatenplätze für Berlin müssen sich jeweils drei Parteigliederungen einigen: Nachdem Wilhelmsburg dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeschlagen wurde, sprechen Bergedorf, Harburg und Mitte mit.

Wobei sich Bergedorfs CDU zunächst um die Kandidaten für die erstmals mit der Europawahl stattfindenden Wahl zur Bezirksversammlung kümmern möchte, betont Gladiator. "Die SPD darf gern noch ein wenig weiter streiten, wen sie als Nachfolgekandidat für Hans-Ulrich Klose aufbieten will." Der nicht abgesprochene Frühstart des Wilhelmsburger SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Metin Hakverdi zur Bundestagswahl im September 2013 hat besonders in der Harburger SPD für reichlich Ärger gesorgt.