WSB

Wirtschaftslobby lässt neuen Chef scheitern

Bergedorf. Nach nur 100 Tagen im Amt als Chef der Bergedorfer Wirtschaftslobby WSB muss Richard Herrling wieder gehen. Interne Querelen sorgen für den Rücktritt des gesamten Vorstandes zum August. Mit Thomas Buhck will der Verband nun den Neuanfang wagen.

Es hat nur 100 Tage gedauert: Richard Herrling, im Februar als neuer Chef und Hoffnungsträger der tief zerstrittenen Bergedorfer Wirtschaftslobby WSB angetreten, ist von seinem eigenen Verband geschasst worden. Zwar macht der 43-jährige Unternehmer aus Reitbrook noch bis zur Hauptversammlung Ende August weiter. Aber wie auch der gesamte restliche Vorstand dürfte er den Posten wohl nur noch auf dem Papier bekleiden.

„Wir treten geschlossen zurück, um den Weg für ein neues Team frei zu machen“, sagt Herrling, dessen Vize Kai Breuning etwas deutlicher wird: „Die vergangenen Monate waren sehr intensiv, teilweise emotional. Das kriegt man derzeit nicht mehr eingefangen“, sagt der Rechtsanwalt.

Grund für die Auseinandersetzungen sind nach Informationen unserer Zeitung Unstimmigkeiten beim Grundeigentümer-Zusammenschluss BID Sachsentor, für den der WSB als sogenannter Aufgabenträger verantwortlich und auch haftbar ist. Konkret geht es um Honorarzahlungen und den Verdacht auf Scheinselbstständigkeit. Die Probleme hatte Herrling kurz nach seinem Amtsantritt „durch eine normale Revision entdeckt“ und zur Klärung den Behörden übergeben. „Das Prüfverfahren dauert noch an und liegt nicht in unserer Hand. Ich hoffe, dass es noch während meiner Amtszeit zu einem Ergebnis kommt“, sagte er gestern.

Dieser Vorstoß spaltete den WSB-Vorstand in zwei unversöhnliche Lager: Herrling und Breuning als frische Mitglieder auf der einen Seite, Wirtschaftsprüfer Niels Bonn und Makler Malte Landmann als langjährige Vorstände auf der anderen Seite. Vor zwei Wochen führte der Zwist bereits zum Rücktritt von Niels Bonn. Ein Schritt, den er nach 15 Jahren im Vorstand „als Signal für die bevorstehende komplette Neuordnung des Gremiums“ verstanden sehen möchte.

Trotz aller Querelen tragen beide Seiten jetzt nach außen demonstrative Einigkeit zur Schau – jedenfalls im Hinblick auf die WSB: „Der Verband darf keinen Schaden nehmen. Darum besteht im Vorstand Einigkeit, dass der heutige Vorstand auf der Hauptversammlung geschlossen zurücktritt. Wir haben uns zu lange mit uns selbst beschäftigt“, betont Malte Landmann. Auch ein Wechsel in der Geschäftsführung sei denkbar. „Bei einem ernsthaften Neuanfang muss alles möglich sein.“ Und Niels Bonn ergänzt: „Es darf nicht mehr um persönliche Interessen gehen. Jetzt steht die Zukunft Bergedorfs im Mittelpunkt und die Frage, ob sie von einem starken Wirtschaftsverband mitgestaltet wird oder nicht. Das letzte, was wir jetzt brauchen können, ist eine Austrittswelle aus der WSB.“

Ein Retter ist bereits ausgeguckt, auch wenn der sich gestern auf Nachfrage unserer Zeitung noch etwas vage gab: „Ich stehe bereit, den Verband zu führen, sofern ich Menschen finde, die mit mir im Vorstand arbeiten – und die im August von einem breiten Votum der Mitglieder getragen werden“, sagt Thomas Buhck vom gleichnamigen Entsorgungsunternehmen. Sein Vater Carsten Buhck stand bereits von 1997 bis 2000 an der Spitze des Verbandes. „Das motiviert mich natürlich, die WSB in schwierigen Zeiten nicht hängen zu lassen. Aber ich dränge mich nicht auf“, sagt der Hoffnungsträger. „Nun mache ich erst mal Urlaub und anschließend wollen wir sehen, was möglich ist.“