Verhandlungen

Museumsleiter verlässt Bergedorf

Foto: BGZ / André Herbst / Herbst

Bergedorf. Der Museumsleiter Dr. Olaf Matthes wechselt von Bergedorf nach Hamburg. Künftig soll ein Kurator das Schloss und das Rieck-Haus leiten. Hamburgs Kultursenatorin und das Bergedorfer Bezirksamt konnten sich zwar in diesen Personalfragen einigen, doch der Streit ums Geld bleibt.

Schloss und Rieck-Haus sind auf dem Weg in die Selbstständigkeit: Mittwoch informiert Kultursenatorin Barbara Kisseler im Rat der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) über den Stand der Verhandlungen. Zur Finanzausstattung liegen die Positionen von SHMH und Bergedorf noch auseinander, dafür herrscht weitgehend Klarheit über die Teilung von Zuständigkeiten und Personalfragen: Die Stelle der Archivarin bleibt als einzige bei der Stiftung, Museumsleiter Dr. Olaf Matthes wechselt nach Hamburg.

Der in Bergedorf umstrittene Forscher soll durch einen Kurator für Schloss und Rieck-Haus ersetzt werden, der auch Veranstaltungen auf der Sternwarte betreut. Gesucht ist eine Person mit Geschichtsstudium und Organisationstalent. „Wir suchen keinen Eventmanager, sondern einen Menschen mit wissenschaftlichem Studium für die Leitung von Schloss und Rieck-Haus“, widerspricht Bezirksamtssprecher Dr. Andreas Aholt Gerüchten. Tatsächlich werde sich der Kurator auf den Ausstellungsbetrieb samt Bildungsauftrag konzentrieren. „Wir wollen ausschließen, dass sich der Kurator im Sammeln und Forschen verliert.“

Die wissenschaftlichen Aufgaben sollen durch Mitarbeiter der Stiftung bewältigt werden, so durch Dr. Christel Oldenburg, die als Leiterin des Archivs aber weiter im Schloss tätig bleibt. Dass Bergedorf auch die Verantwortung für die historische Sammlung abgibt, hat neue Kritiker auf den Plan gerufen, die vor einem Museum als leere Hülle warnen. Bezirksamtsleiter Arne Dornquast widerspricht: „Eine zentrale Sammlung, auf die alle Museen zugreifen könnten, wäre revolutionär, Museumsarbeit lebt doch nicht vordringlich von der eigenen Sammlung.“ Er sieht in Bergedorfs künftig unter einem Dach vereinigten Museen vielmehr „ein Schaufenster, wo historisch bedeutsames gezeigt wird, Themen, die populär und wissenschaftlich interessant sind“.

Das entscheidende Wort hat ein neuer Beirat: Neben acht von der Bezirksversammlung zu wählenden Bürgern sollen sieben „geborene“ Mitglieder mitwirken: neben Museumskurator, Vertreter der Stiftung, Präsident der Bezirksversammlung und dem Bezirksamtsleiter die Freundeskreise von Museum und Rieck-Haus sowie der Bergedorfer Bürgerverein als Stifter der historischen Sammlung im Schloss. „Die Politik wählt acht Mitglieder, hält sich aber aus dem operativen Geschäft heraus, sonst kann dies nicht funktionieren.“

Mehr Sorgen bereitet Kritikern der noch immer anhaltende Streit ums Geld. Man liege noch zwischen 100- und 200.000 Euro im Jahr auseinander, bestätigt Dornquast. Die Stiftung will die Stelle für den Kurator nicht voll finanzieren. Angesichts leerer Kassen hat sie in Bergedorf die vergangenen zudem mehr Geld eingespart als in anderen Museen, rechnet auf Basis der Werte für 2011 Bergedorf arm. „Wir fordern 117.500 Euro Sachkosten plus die tatsächlichen Personalkosten“, erläutert Aholt die Forderung von etwa 450.000 Euro jährlich – für Schloss und Rieck-Haus.

Die Recherche in Haushaltsunterlagen verschafft einen Eindruck, warum die Stiftung die Bergedorfer Häuser nicht ziehen lassen möchte. Besucher von Schloss und Rieck-Haus schlagen mit Kosten von weniger als zehn Euro zu Buche, ím Schnitt aller Stiftungsmuseen betragen die Kosten mehr als 30 Euro je Besucher. In Bergedorf halten sich die Verantwortlichen mit Kommentaren zurück. Fakt ist: Erhielte der Bezirk die gleiche Summe je Besucher angerechnet, würde Bergedorf bei deutlich mehr als 30.000 Besuchern jährlich im Geld schwimmen.