Kommentar

Bergedorfs Jugendpolitik erntet bloß Kopfschütteln

Bergedorf. Schimpfen, staunen, schweigen: Die offensichtliche Hilflosigkeit des Bergedorfer Jugendhilfe-Ausschusses (JHA) geht ins Unerträgliche. Da geht es etwa um den Erhalt der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die von einer zehnprozentigen Kürzung bedroht ist.

Oder um ein strukturiertes Ineinandergreifen mit den neuen Ganztags-Angeboten (nur 386 Hortkinder wurden an neun Bergedorfer Ganztagsschulen angemeldet) - alle reden sich in Rage, passiert ist bislang nichts Wesentliches.

Außer natürlich der Tatsache, dass die Verwaltung "aus Versehen" ihre Sparvorschläge öffentlich machte, demnach das DRK-Spielhaus "Blaue Welle" über die Klinge springen soll. "Das ist rätselhaft und hätte nicht passieren dürfen. Wir beschließen doch erst, wenn Mitte Dezember die Bürgerschaft entscheidet", raunte es durch die JHA-Reihen bei der jüngsten Sitzung. "Aber wir müssen doch nach politischen Vorgaben Vorschläge erarbeiten", heißt es entschuldigend aus dem Rathaus. "Das ist aber eine Beeinflussung vom Bezirksamt, das ständig Papiere herausgibt, die nicht diskutiert werden", kritisiert das Awo-Projekt "Mobilo", das in Lohbrügge ebenfalls Federn lassen soll.

Es werde einen Umstrukturierungsfonds geben, kündigt die SPD an, um Verlierer des künftigen Haushalts ein bisschen zu trösten. Doch Referent Uwe Riez, Leiter des Hamburger Amtes für Familie, lächelt: "In dem Fonds landen Reste von 2012, wenn überhaupt etwas übrig bleibt." Zudem solle niemand warten, ob die Welt noch schöner werde: "Geld gibt es nur, wenn man eine Jugendhilfeplanung hinter sich hat."

Schon wieder so ein Bergedorfer Knackpunkt, denn ganz dringend braucht es hier bis Oktober einen solchen Jugendhilfepan - allein: Die Mitarbeiterin ist krank, kommt erst Mitte Juni wieder. "Dann wird sie die Daten aus Quartiersberichten und dem Sozialatlas zusammenstellen, einen Entwurf in unseren Planungsräumen zur Diskussion stellen", müht sich die Jugend- und Sozialdezernentin. "Viel zu spät, um die freien Träger einzubeziehen", heißt es auf der Gegengeraden von CDU und GAL, schließlich sind erst mal Sommerferien.

Man könne die Arbeit doch extern vergeben, vielleicht durch die Parteien finanzieren, wirft die FDP/Piratenfraktion ein - und erntet ungläubiges Kopfschütteln.

Nahezu verzweifelt betont die Verwaltung erneut: "Wir haben ein großes Personalproblem, keine freien Kapazitäten." Dann könne man ja auch gar keine Kürzungen umsetzen, heißt es pfiffig: "Das ist grotesk, die Verwaltung ist handlungsunfähig", stutzt Michael Böckenholt. Der GALier, der das Jugendzentrum Vierlande leitet, bringt es auf den Punkt: Er sei genervt von der Diskrepanz zwischen Sonntagsreden, Papieren und der Wirklichkeit.

Genau darüber wird noch viel diskutiert werden, etwa an den Runden Tischen von Schulen, bei regionalen Bildungskonferenzen (die nächste beginnt am Dienstag um 17 Uhr in der Ernst-Henning-Schule) und in anderen pädagogischen Kleinst-Einheiten. . .

Übrigens sollte die Verwaltung noch ein "Positionspapier" erstellen, ihre grundsätzliche Sicht zu dem Themen Jugendarbeit und Ganztagsschule darstellen. So jedenfalls lautet ein Antrag vom Januar (!). "Das gehört doch unbedingt noch zum Jugendhilfeplan", meint Katrin Rabe (SPD). Nun, das Thema wurde vertagt: Dazu soll es auf der Sitzung am 19. Juni (17.30 Uhr im Lichtwarkhaus an der Holzhude 1) eine Diskussionsvorlage geben - noch Fragen?