Hafenmeile

Alte Pötte, Schiffsmotoren und reichlich Seemannsgarn

Bergedorf. Die Hafenmeile hat Bergedorf für drei Tage ganz nah ans Wasser gezogen: Knapp 30 Stunden Programm auf und rund um den Serrahn sowie entlang der benachbarten Straßen und auf zwei Bühnen lockten Menschenmassen in die Innenstadt.

Darunter viele Fans historischer Schiffe und anderer maritimer Leckerbissen.

Sie steuerten Sonnabend zunächst den Stand des legendären Bergedorfer Schiffsmotoren-Werks Jastram an. Nils Jastram persönlich, Urenkel des Hafenbarkassen-Erfinders Carl Jastram, hatte einen Original-Bootsmotor aus dem Jahr 1927 und einen Flugzeugmotor aus dem Jahr 1909 mitgebracht. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten lief der Flugzeugmotor sogar, und Jastram freute sich wie ein Kind über das Knattern, das über den ganzen Serrahn schallte. Derweil schipperten Schüler der Rudolf-Steiner-Schule mit Lehrer Peter Grunwald in ihrem selbstgebauten Katamaran über das Wasser. Bald soll das Vorzeige-Gefährt mit auf Klassenfahrt gehen und am Ende der Fahrt einem Hilfsprojekt in Estland zugute kommen.

Zum ersten Mal gab es direkten Zugang zum Schwimmponton, auf dem der Vierländer Gemüse-Ewer originalgetreu nachgebaut wird. Schiffszimmermann Ingo Kaun und Schmied Heinz-Herbert Steffen erklärten Neugierigen den unfertigen Ewer - garantiert ohne Seemannsgarn.

Um die Mittagszeit startete im Innenhof des Schlosses das Chorsingen "850 Jahre Bergedorf". Marlis Suhr moderierte die gut besuchte Veranstaltung mit insgesamt 16 Chören, zusammen fast 500 Sängern. Auf der Schlosswiese übten sich zeitgleich Nachwuchstalente bei der TSG Hamburg Marines im Baseball.

Zurück am Serrahn luden die Schiffe zu Rundtouren ein. So konnte man auch mit der Dampfpinasse "Mathilda" schippern. Das einzige Dampfboot aus dem Övelgönner Museumshafen mit offener Dampfmaschine forderte Maschinist Ingo Mische alles ab. Er musste stets neben der Maschine sitzen, um den Druck zu kontrollieren und die Geschwindigkeit der Pinasse zu bestimmen. Die Kapitänin der "Mathilda", Sabine Roever, gab Klingelzeichen, wenn Mische den Rückwärtsgang einlegen sollte.

Derweil füllte sich der Bahnhofsvorplatz mit Menschenmassen: Die Kinder der Rudolf-Steiner-Schule gaben auf der Bühne mehrere Lieder zum Besten. Stelzenläufer Alexej Kapes stolzierte danach als Pirat verkleidet durch die Menge und erzählte den Kindern reichlich Seemannsgarn. Trotz manchen Regenschauers bildeten sich noch bis zur Dämmerung Menschenschlangen an den Info-Ständen und Imbiss-Buden.

Besser zeigte sich das Wetter dann gestern, am dritten Tag der Hafenmeile, was die Besucherzahlen wieder ansteigen ließ. Höhepunkt dieses Tages war eindeutig das Drachenboot-Rennen des SV Nettelnburg/Allermöhe um den Pokal des Restaurants Lavastein. Angefeuert von Hunderten Schaulustigen am Ufer kämpften zehn Firmen- und Vereinsteams auf der 220-Meter-Strecke um die Führung. Im Finale schob das Team der Firma Tobias Grau den Drachenkopf ihres Bootes als erstes über die Ziellinie. Zweiter wurde das Werks-Team "Olli Gatoren" vor dem AS 49 "Mucki-Boot".