Ausstellung

Rundgang durch 850 Jahre Bergedorf

Bergedorf. Seit gestern Abend ist Bergedorf um eine Attraktion reicher. Die Sonderausstellung "850" zu Bergedorfs 850. Geburtstag feierte im Schloss Eröffnung.

Karten und Ansichten, Schätze und Menschen aus 850 Jahren Geschichte, so der Untertitel der Schau, können nun ein ganzes Jahr lang bis zum 2. Juni 2013 besichtigt werden. Die Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte Prof. Dr. Lisa Kock, Bezirksamtsleiter Arne Dornquast und Dr. Olaf Matthes als Leiter des Museums für Bergedorf und die Vierlande eröffneten die Ausstellung.

Was Kurator Bardo Metzger und sein Schlossmuseum-Team aus ihrem reichhaltigen Fundus in sechs Räumen postiert, angeordnet und erläutert haben, ist ebenso wohldosiert wie gut sortiert und spart nicht mit Bezügen zur Gegenwart. Im ersten und größten Ausstellungsraum gibt ein geschichtliches Kaleidoskop einen Überblick über die wichtigsten Daten von Bergedorfs Geschichte - von der ersten urkundlichen Erwähnung bei der Neuaufteilung der norddeutschen Bistümer im Jahr 1163 über den Sturm aufs Bergedorfer Schloss im Jahr 1420 bis zur Sturmflut im Jahr 1962. "Dass gerade jetzt zu Pfingsten die drei Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zur Nordkirche fusioniert sind, macht diesen Teil der Ausstellung richtig rund", freut sich Kurator Metzger und weist auf eine entsprechende Landkarte zum Jahr 2012.

Tiefer ins Detail geht es in den weiteren Ausstellungsräumen. Historische Karten wie die Lorichs-Karte (1567) oder die Freese-Karte (1593) erinnern an die Zeit, als Hamburg und Braunschweig-Lüneburg sich um den Verlauf von Norder- und Süderelbe und die dortigen Zollrechte stritten. Die Freese-Karte indessen verriet, wie schonungslos die Bergedorfer zugunsten florierender Holzwirtschaft ihre Wälder abgeschlagen hatten. Ein Falk-Plan von Bergedorf aus dem Jahr 1972 erinnert an das Unternehmen von Weltruf, das bis in die 90er-Jahre hier angesiedelt war.

"Bilder der Stadt" sind ein weiterer Schwerpunkt der Schau, unter den gemalten und gezeichneten Werken ist eine Tusche-Skizze des Holländers Johan Storck aus dem Jahr 1673 mit Schloss und Kirche St. Petri und Pauli vermutlich die kostbarste. Alte und neuere Fotos haben Bardo Metzger und seine Helfer in der oberen Etage des Schlosses als Kollagen zusammengestellt, die ganz neuen gibt es digital auf dem Bildschirm, ebenso einen Bergedorf-Film aus dem Jahr 1920 mit Schützenfest und betulicher Autofahrt durch das Sachsentor.

Als Menschen der Stadt sind schließlich nicht nur Prominente wie Komponist Johann Adolf Hasse und Kurt A. Körber, sondern auch Migranten der Gegenwart mit ihren Geschichten portraitiert.

Sogar einen ironischen Blick in die Zukunft haben die Ausstellungsmacher gewagt. Auf einer imaginären Seite der Bergedorfer Zeitung vom 20. März 2025 ist zu erfahren, dass das Museum Bergedorfer Schloss während jahrzehntelanger Querelen um sein Betreibermodell eingestürzt ist.