Quartier "Weidensteg"

Jubel und Schock am Schleusengraben

Bergedorf. Aus Sicht des Rathauses ist es Bergedorfs Aufbruch in eine neue Zeitrechnung - für den Betreiber des Frischemarktes Wiesnerring, Ferdinand Clausen, dagegen ein Schock:

Einstimmig hat der Stadtplanungsausschuss der Bezirksversammlung am Mittwoch grünes Licht für die dritte Großbaustelle am Schleusengraben gegeben. Voraussichtlich von 2014 an rollen die Bagger auf den Flächen im Umfeld der alten HMG-Hallen, um die Sanierung der maroden weißen Industrie-Architektur vorzubereiten und Platz für Neubauten mit bis zu 400 Wohnungen zu schaffen.

Es soll das Zentrum des neuen Stadtteils am Schleusengraben werden, genannt "Weidensteg", der mit den benachbarten "Glasbläserhöfen" und den künftigen "Schleusengärten" rund um den heutigen Beach-Club am gegenüberliegenden Ufer einmal bis zu 1000 Wohnungen umfassen soll. Damit ihre Bewohner und die Mitarbeiter der ebenfalls hier geplanten Büros und Gewerbebetriebe auch vor Ort einkaufen können, hat der Ausschuss jetzt die Änderung des Bebauungsplans angeschoben: Die HMG-Hallen sollen in Absprache mit den Grundeigentümern Gerhard von Raffay und Hans-Werner Maas künftig großflächigen Lebensmittel-Einzelhandel beherbergen, dafür sogar um Anbauten erweitert werden.

Geplant ist ein Edeka-Markt mit 2400 Quadratmetern Verkaufsfläche, zudem ein Drogeriemarkt von 800 Quadratmetern. Und genau damit beginnen die Probleme von Ferdinand Clausen. Denn in diese Ladengrößen haben die Stadtplaner seine Verkaufsflächen vom benachbarten Wiesnerring gleich mit eingerechnet. "Mehr als 3200 Quadratmeter Fläche für Lebensmittel-Einzelhandel tragen sich hier nicht", begründete Baudezernent Uwe Czaplenski das im Ausschuss. Auf Nachfrage teilte er mit, dass diese Haltung auch mit der Edeka längst abgestimmt sei: "Dort hat man uns versichert, den Wechsel zum neuen großen Markt zu organisieren."

Doch geschehen ist das bisher nicht. Deshalb war Ferdinand Clausen gestern schockiert, als er von unserer Zeitung über die Entscheidungen informiert wurde. "Mit mir hat niemand gesprochen. Weder über die Möglichkeit, den neuen Markt zu übernehmen, noch über eine Schließung am Wiesnerring", sagte er. Tatsächlich stimmen nicht einmal die Zahlen in der jetzt vom Stadtplanungsausschuss beschlossenen Vorlage zur B-Plan-Änderung: Statt 270 Quadratmeter, wie sie in dem Papier penibel genau in die neue Edeka-Fläche eingerechnet werden, misst Clausens Frischemarkt 400 Quadratmeter Verkaufsfläche. "Und zwar schon seit unserer Renovierung im Jahr 2001", fügt er kämpferisch hinzu.

Ein ärgerlicher Schönheitsfehler im sonst beeindruckenden Gesamtvorhaben. Allein im Quartier "Weidensteg" sollen 120 Millionen Euro investiert werden. Das in Teilen zum Referenzprojekt der Internationalen Bauausstellung 2013 aufgewertete Schleusengraben-Projekt umfasst neben Einzelhandel, Wohnen und Gewerbe auch Freizeitnutzung mit Bootsverleih, Anleger und Gastronomie. Zudem soll es eine Fuß- und Radwegebrücke zwischen beiden Ufern geben, teils ausgeweitete Wasserflächen und auch eine lange geforderte Wegeverbindung zwischen Bergedorfs Zentrum und dem Landgebiet.