Vergiftung

Doktorfisch sticht zu - Verkäufer ins Krankenhaus

Bergedorf. Ein Fachverkäufer der Tierhandlung "Mega-Zoo" ist am Donnerstagabend beim Verkauf eines Fisches schwer verletzt worden. Der Paletten-Doktorfisch stach den 46-Jährigen mit seinem Skalpell-Dorn in den Finger.

Als er den kleinen blau-gelben Fisch verkaufen will, sticht das Tier plötzlich zu. Der skalpellartige Dorn an der Schwanzflosse, nach dem der tropische Paletten-Doktorfisch benannt ist, schlitzt sich messerscharf in den Finger des 46-jährigen Fachverkäufers. Alarm am Donnerstagabend in der Tierhandlung „Mega-Zoo“ an der Stuhlrohrstraße.

Binnen weniger Minuten schwillt die Hand des Verletzten dick an, der Finger wird tiefblau, ein taubes Gefühl durchzieht den Arm. Um 19.25 Uhr alarmieren die Kollegen die Feuerwehr, der Notarzt rückt an. Auf eigenen Beinen wankt der Verletzte in den Rettungswagen. Sofort werden Atmung und Kreislauf kontrolliert, doch wegen der heftigen Symptome ist auch der Notarzt unsicher.

Die Feuerwehreinsatzzentrale telefoniert unterdessen mit dem diensthabenden Arzt der Tropenambulanz im Bernhard-Nocht-Institut. Über die Giftigkeit des Tiers besteht bei den Experten Unklarheit. „Dieser Fisch hat zwar keine Giftdrüsen“, erklärt Tropenmediziner Dr. Helmut Jäger, „aber die Skalpelle des Paletten-Doktorfisches sind mit Eiweißen besetzt, die auf manche Menschen extrem toxisch wirken.“

Der Patient kommt zunächst in das Bethesda-Krankenhaus. Dort aber verschlechtert sich der Gesundheitszustand. Unter Notarztbegleitung wird der 46-Jährige noch am Abend in das Unfallkrankenhaus Boberg verlegt, in die dortige Handchirurgie. Am Freitagmittag dann Entwarnung: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, erklärt der Verkäufer. Erleichterung auch bei Thomas Bangel, dem Geschäftsführer der Tierfachmärkte „Mega-Zoo“: „Unser Mitarbeiter hat die Hand in Gips, er möchte schon wieder aufstehen.“ Es komme immer wieder vor, dass seine Verkäufer von Doktorfischen geschlitzt würden, in diesem Fall habe es bei dem Kollege aber eine extreme allergische Reaktion gegeben, bewertet Bangel den Vorfall. Schon einmal habe derselbe Mitarbeiter bei einem Biss eine heftige Allergie gehabt. Grundsätzlich seien Doktorfische ungiftig und beliebte Fische in den Seewasseraquarien.

Doktorfische: Schön und ganz schön wehrhaft - Fang und Haltung der Exoten sind umstritten

75 Euro kostet der Paletten-Doktorfisch (Paracanthurus hepatus) im Tierfachmarkt Mega-Zoo. Der tropische Schwarmfisch, der dort am Donnerstagabend einen Verkäufer schwer verletzte, ist wegen seines prächtigen Erscheinungsbildes sehr beliebt. Doch umstritten ist, ob der Exot bei einer Länge von 15 bis zu 30 Zentimetern in Heim-Aquarien artgerecht gehalten werden kann.

Die Familie der Doktorfische trägt ihren Namen wegen ihrer „Skalpelle“: Ein bis zwei auf jeder Seite der Schwanzwurzel, dienen sie diesen Bewohnern von Korallenbänken zur Verteidigung gegen Fressfeinde. Schnorchler tragen bei Begegnungen gelegentlich blutende Schnittverletzungen davon – nicht weil die friedlichen Doktorfische sie attackiert hätten, sondern weil Menschen unbedacht in einen Schwarm gegriffen haben.

Anders als die ebenfalls in tropischen Meeren lebenden Skorpionfische, von denen etwa Steinfische ein für Menschen tödliches Gift in ihren langen Stacheln tragen, oder die auch in der Nordsee vorkommenden Petermännchen, besitzen Doktorfische keine Giftdrüsen. Dennoch kann ein Schnitt gefährlich werden, sich extrem schnell entzünden oder einen Schock auslösen: Dafür verantwortlich sind Bakterien und Eiweißverbindungen auf den Skalpellen, die auch für Menschen gefährlich werden können, wenn sie über eine Wunde in den Körper gelangen. Andere Fische sterben in der Regel nach solch einem Stich.

Offenbar sind Verletzungen durch Paletten-Doktorfische in der Aquaristik aber eher selten. Die Fische kommen natürlich im Indopazifik von Ostafrika bis Japan und Samoa vor.