Preisdumping

Gute Brötchen gibt es nun einmal nicht für 13 Cent

Bergedorf. Ein Brötchen für nur 13 Cent, ein halbes Brot für einen guten Euro: Teigwaren sind immer günstiger zu haben.

Der Preiskampf der Bäcker ist auch in Bergedorf entbrannt: Allein zwischen dem Lohbrügger Markt und dem Herzog-Carl-Friedrich-Platz gibt es insgesamt acht Bäckereien - Filialen von "Dat Backhus", "Backstube", "Brot und Brötchen", "Bäckerei Eggers" sowie die SB-Back-Abteilung des "Marktkauf Centers" und der "Bäckerei Junge" sind auf einer Strecke von gerade mal 500 Metern zu finden. Drei davon sind Selbstbedienungs-Bäckereien. Und die schießen, nach einer aktuellen Marktanalyse der Hamburger SB- Kette "Back-Factory", weiter wie Pilze aus dem Boden.

1000 SB-Bäcker gibt es derzeit in Hamburg; Experten halten eine Zunahme um weitere 500 in den nächsten zehn Jahren für möglich. Es dominieren Ketten wie "Mr. Baker" oder "Backwerk". Von dem selten gewordenen, klassischen Bäcker, der den Teig für Brot und Brötchen noch selbst ansetzt, sind die SB-Anbieter weit entfernt: Die tiefgekühlten Teiglinge für Brot oder Brötchen werden aus Großbetrieben in Deutschland oder Polen bezogen - und neuerdings sogar aus China. Zehn bis 15 Prozent ihres Umsatzes machen die SB-Läden zudem mit "Coffee to go".

Der Bergedorfer Bäckermeister Heinz Hintelmann sagt: "Die Zulieferer dieser Selbstbedienungsbäckereien beschäftigen keine Bäcker, sondern Maschinenführer." Durch die vollautomatische Produktion von Milliarden Teiglingen in speziellen Fabriken sei die SB-Konkurrenz preislich nicht zu unterbieten. Geschmacklich allerdings auch nicht, meint Hintelmann. "Das sind billigste Zutaten, und das schmeckt man."

Eine der drei SB-Bäckereien an der Alten Holstenstraße ist "Brot und Brötchen". Mitarbeiter Sam Kapoor verkauft Schrippen für 13 Cent das Stück oder drei Rosinenbrötchen für 99 Cent. Etwa ein Drittel des "normalen" Preises. Direkt ein Haus weiter bietet "Die Backstube" genauso billige Ware an.

Die Meinungen der Kunden über die Billiganbieter gehen auseinander. So meint Gabriele Ziehn (54) aus Bergedorf: "Beim SB-Bäcker bekomme ich ein Brötchen schon für 13 Cent. Für den Preis schmeckt es auch." Gertrud Junge (74) aus Lohbrügge ist da völlig anderer Meinung: "In den Fertigbrötchen ist doch mehr Luft als Teig. Das ist rausgeschmissenes Geld."

Bäcker Stephan Schmidt, stellvertretender Filialleiter der Bäckerei "Junge" an der Alten Holstenstraße betont, dass Backen ein Handwerk ist: "Wer beim Billigbäcker kauft, kauft in Wirklichkeit nicht beim Bäcker." "Junge" sei zwar auch eine Kette. "Aber eben mit Fachpersonal." Man verwende nur hochwertige Zutaten. Das preiswerteste Brötchen ist hier für 25 Cent zu haben. "Das sind 120 Gramm Qualitätsteig", sagt Stephan Schmidt. "Es ist beim Brot, wie mit allem anderen. Qualität kostet eben etwas mehr."