Häme über "Krokodilstränen"

Neuer Streit am Gojenbergsweg: Planer im Frust, Anwohner genervt

Bergedorf (stri). Der Streit um den Neubau, der zwischen der Justus-Brinckmann-Straße und den alten AK-Gebäuden geplant ist, schwelt weiter.

Wie berichtet, will der "Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG" hier für acht Millionen Euro fünf seniorengerechte Mehrfamilienhäuser mit 48 Wohnungen errichten. Allein: Es fehlt eine Zufahrt - sowohl für die Baufahrzeuge als auch für die spätere Nutzung. Vor Gericht soll nun geklärt werden, ob das benachbarte Cura-Seniorencentrum eine Durchfahrt ermöglichen muss.

"Es ist doch nicht Sache der Cura, wie die zu ihrer Baustelle kommen", empört sich jetzt Ingrid Oehmann aus dem Hausbeirat. Als die 77-Jährige vor vier Jahren ihre Wohnung bezog, die 14 Euro pro Quadratmeter kostet ("das ist ein Haufen Geld"), war sie noch davon ausgegangen, dass kleinere Stadtvillen in die Nachbarschaft kommen würden. "Tja, und dann war die Cura wohl zu geizig, das Grundstück selbst zu kaufen. Aber der neue Bauherr muss sich doch vorher schlau machen, was geht", wundert sich die Seniorin, die sich darüber freut, dass Mitglieder des Berliner Cura-Vorstands dem Hausbeirat heute über den aktuellen Stand berichten wollen.

Claus-Dietrich Scholze aus dem Vorstand des Wohnungsvereins möchte am liebsten mittig durch das Cura-Gelände fahren: "Das ist kein Problem, das ist in erster Linie Rettungsweg. Da kommt höchstens mal eine Lieferung oder die Müllabfuhr durch", meint er und spricht von "übersteigerter Angst" der Senioren. Er sei vor Gericht gezogen, "da wir unser vertraglich verbrieftes Recht nicht zugestanden bekommen".

Was aber, wenn der Richter anders entscheidet? Der B-Plan ermöglicht nur eine Tiefgarage, aber keine Zufahrt durch den Hang, sagt Scholze: "Wir können nur vom Gojenbergsweg aus zum Gelände." Und da gäbe es nur die kleine Privatstraße, die den Käufern der Doppelhaushälften gehört. Antje Ohms ist Sprecherin der Anwohner, deren Schild "Privatstraße" schon ohne Genehmigung zur Seite geräumt worden sei, als das Gelände gerodet wurde: "Wir wollen hier nicht Straßenpolizei spielen, sondern unsere Rechte wahren. Mehr als 20 Kinder nutzen die Straße als Rennstrecke für Bobbycars." Um sie nicht zu gefährden, lassen sich die sechs Familien nun anwaltlich vertreten.

Die Genossenschaft zeigt sich enttäuscht, das Thema sei "höchst frustrierend", meint Scholze: "Wir wollen öffentlich gefördert bauen und kriegen nur Knüppel zwischen die Beine. Und reden mag auch niemand mit uns, alle sind auf Tauchstation gegangen." Darüber kann sich Anwohnerin Antje Ohms nur wundern: "Wie kann man ein Millionenprojekt so schlecht vorbereiten und jetzt plötzlich Krokodilstränen vergießen?" Auch das Bezirksamt lehnt sich zunächst zurück: "Das sind privatrechtliche Dinge", heißt es im Rathaus.