Integration

Ein deutscher Pass für eine stolze Türkin

Neuallermöhe. Sie oder ihre Familien stammen aus der Türkei, der Ukraine oder aus Serbien.

Sie sind zwischen 16 und 18 Jahre alt, und spätestens mit 23 müssen sie sich entscheiden: Wollen sie die Staatsbürgerschaft ihres Heimatlands behalten, oder wollen sie - nach bestandenem Einbürgerungstest - die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen? So bestimmt es das seit dem Jahr 2000 in Deutschland gesetzlich festgelegte Optionsmodell für Ausländer. Eine doppelte Staatsbürgerschaft gibt es seit wenigen Jahren unter bestimmten Voraussetzungen nur für EU-Bürger.

Die Gymnasialklasse 11i der Stadtteilschule Gretel Bergmann befasst sich mit ihrem Lehrer Tom Greiff seit mehreren Wochen mit dem Thema Integration. Neun der insgesamt 23 Schülerinnen und Schüler der Themenklasse Inszenierung und Theater haben selbst ausländische Wurzeln. Schon heute spüren sie, dass sie bald vor einer schweren Entscheidung stehen. "Das ist ungefähr so, als wenn deine Eltern sich trennen und du dich entscheiden musst, bei wem du leben willst", drückt Marko (17) es aus, der aus Serbien stammt.

Paulina (16), in der Ukraine geboren, ist sich schon ziemlich sicher: "Ich werde die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, denn ich werde hier weiter leben." Sie ist davon überzeugt, dass sie an den "heißen Ecken des Lebens" wie Bewerbungen eben doch mit einem deutschen Pass besser dran ist: "Auch wenn es kein Entscheidungsträger so leicht zugeben wird, aber deutsche Staatsbürger werden in der Arbeitswelt bevorzugt." Und sie findet es ungerecht, dass es nur für EU-Bürger die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft in Deutschland gibt.

Auch Zeynep (18), die mit eineinhalb Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, will sich um einen deutschen Pass bemühen: "Ich glaube, dass ich dann leichter einen Studienplatz finden werde", meint sie. Und: "Ich lebe nun einmal hier. Aber es tut schon weh. Denn ich bin auch eine stolze Türkin."

Marko tendiert eher dazu, die serbische Staatsbürgerschaft zu behalten: "Serbien ist nun mal meine Heimat, wir fahren mindestens einmal im Jahr dorthin." Zwar fürchtet auch Marko Nachteile als Serbe in Deutschland. Andererseits hat er auch schon ein bisschen was erreicht: Nur acht Prozent der serbischen Schüler - das hat die Statistik-Gruppe der Klasse recherchiert - besuchen ein Gymnasium. Und Marko gehört dazu.

Prominenten Besuch hatte die Klasse gestern Mittag: Der Bergedorfer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und geborene Türke Ali Simsek diskutierte mit den Schülern. Simsek will mit seiner Partei die doppelte Staatsbürgerschaft für alle Nationalitäten durchsetzen: "Es ist wichtig, dass wir unseren kulturellen Hintergrund pflegen. Das ist auch ein Gewinn für Deutschland."