Bergedorf 85

Nach Regionalligaverzicht: Bezirk und Sportamt kritisieren Elstern

Foto: Anne Pamperin_NZ / Pamperin

Bergedorf. Der Ärger um Bergedorf 85 und den Regionalligaverzicht der "Elstern" in letzter Sekunde zieht Kreise. Beim Fußball-Oberligisten sei vieles durcheinander geraten, heißt es bei Bezirksamt und Polizei. Auch Uwe Sals, zuständiger Planer beim Hamburger Sportamt, zeigt sich irritiert.

„Wenn die Verantwortlichen Hilfe gebraucht hätten, hätten sie nur zum Telefon greifen müssen", betont Sals. Dass die Polizei aktuell nicht die Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen im Stadion Sander Tannen garantieren konnte, sei nicht das Problem. Sportamts-Planer Sals: „Das hätte bis Sommer Zeit gehabt. Hätte ,85’ uns gefragt, hätten wir als Eigentümer bestätigt, dass bis dahin alle Vorgaben erfüllt sind" – getrennte Fan-Blöcke ebenso wie neue Zäune.

Dass der Verein die notwendigen Unterlagen für einen Regionalliga-Aufstieg in letzter Sekunde nicht eingereicht hatte, blieb dem Bezirksamt verborgen. Noch Montagabend wusste der ?zuständige Amtsleiter nichts davon, dass „85" den letzten Termin am Sonnabend hatte verstreichen lassen: Sven Dahlgaard erklärte im Sportausschuss, die Bedenken der Polizei würden ausgeräumt.

„Wir werden klären, wieso das Bezirksamt vom Verein nicht informiert wurde. Und was die Polizei mit baulichen und betrieblichen Fragen zu tun hat", sagt Angela Braasch-Eggert, für Soziales, Jugend und Sport zuständige Dezernentin im Bezirksamt.

Eine vom ehemaligen Vereinsvorsitzenden Mathias Hammer angeforderte Sicherheitsbestätigung der Polizei wirft auf den ersten Blick Fragen auf: Das Stadion könne gegenwärtig in „wesentlichen Bereichen nicht den vom DFB gestellten Anforderungen in baulicher, infrastruktureller, organisatorischer und betrieblicher Hinsicht genügen", heißt es in einer Polizei-Mail. Mit Blick auf die Zuschauerkapazität von gut 10?000 und den Regelungen der „Versammlungsstättenverordnung" werden konkrete Maßnahmen gefordert, um die Zahl auf 5000 zu begrenzen, „etwa durch Rückbau des Stadions". Optimistisch sind für Regionalliga-Partien in Bergedorf 500, maximal kaum 1000 Zuschauer.

Sals stellt sich vor die Ordnungshüter: „Wie das Bezirksamt und wir hat auch die Polizei alles unternommen, um in der knappen Zeit die Voraussetzungen für den Regionalliga-Betrieb zu klären."

Die „Elstern" haben allen Beteiligten einen Blitzstart abverlangt. „Wir sind Anfang März kontaktiert worden", sagt Sals. Extrem chaotisch geriet das Thema Sander Tannen für die Polizei. Am 19. März hatten Beamte auf Einladung des Sportamts an einem Ortstermin teilgenommen. „Da war die Regionalliga-Tauglichkeit des Stadions Hauptthema, Vertreter des Vereins waren nicht zugegen", sagt Polizeirat Ansgar Hagen von der Bergedorfer Wache. „Vier Tage später, am 23. März, wurde im Bezirksamt über das Freundschaftsspiel zwischen 85 und dem HSV am 6. Mai gesprochen. Herr Hammer war dabei, doch es ging einzig um das HSV-Spiel."

Das Chaos war perfekt, als sich Hammer einige Tage später, am Donnerstag vergangener Woche, erstmals an Bergedorfs Polizei wandte: Er bat bis zum nächsten Tag um eine Bestätigung, dass das Stadion die gestellten Sicherheitsanforderungen erfülle. „Diese Anfrage bezog sich eindeutig auf einen Aufstieg der ersten Frauenmannschaft in die zweite Bundesliga, nicht auf die Herren-Regionalliga", betont Hagen. Die Verblüffung wuchs noch, als die Beamten das von „85" teils bereits ausgefüllte Formular für den DFB sahen. Ausstehende Maßnahmen für die Sicherheit waren nur ein Problem. Hagen: „Mit Blick auf das Formblatt haben wir Herrn Hammer darauf hingewiesen, dass viele Anforderungen nicht erfüllt sind. Wir haben nicht selbst Bewertungen zu Bausubstanz oder Betrieb vorgenommen."

Neben dem Verzicht auf die Regionalliga ist für „85“ auch der Aufstieg der Damen in die 2. Bundesliga noch nicht sicher: Der DFB hat bisher nicht entscheiden. Wie es an den Sander Tannen weitergeht, ist unklar. Sals: „Es gibt mehrere potenzielle Oberliga-Aufsteiger, etwa Meiendorf, Altona 93 und Curslack. Wir können nicht jedem auf Verdacht ein regionalligataugliches Stadion bauen.“