Porträt

"Stimme des Bezirksamtes" geht heute in Pension

Bergedorf (he).Seine offizielle Bezeichnung lautet "Fachamtsleiter Innerer Service". Über fast zwei Jahrzehnte war Otto Steigleder als Chef der Allgemeinen Abteilung im Bezirksamt zeitgleich für Sport und Kultur zuständig, für die Verwaltung der Schulgebäude und bis zu 17 des über Bergedorf verstreuten Bezirksamtes, für den Katastrophenschutz und die Abwicklung von Wahlen und Abstimmungen.

"Daneben" war der Vater dreier heute erwachsener Söhne Sprecher des Bezirksamtes. Und fand in jüngerer Vergangenheit noch Zeit, sich um den Fortbestand des Lichtwark-Theaters zu kümmern und mit den Spiegelsaalkonzerten das Rathaus um ein kulturelles Kleinod zu bereichern.

Als der heute 65-Jährige am 1. April 1959 als "Angestelltenlehrling" im Bezirksamt antrat, war Albert Schaumann Bezirksamtsleiter. Auf ihn folgten Wilhelm Lindemann, Jörg König, von 1983 bis 2001 Christine Steinert und aktuell Dr. Christoph Krupp. Seit 1989 hat er als Sprecher die Belange des Amtes und Bergedorfs nach außen vertreten.

Auf die Angestellten-Ausbildung war die Qualifizierung für die Beamtenlaufbahn, später ein Fachhochschulstudium und der Aufstieg in die gehobene Laufbahn gefolgt. Otto Steigleder kennt das Bezirksamt wie kein zweiter: Er hat in der "Inneren Organisation" und im Bauprüfwesen gearbeitet, Sportanlagen und Vereine betreut, ist über die Haushaltsabteilung zum stellvertretenden Personalleiter aufgestiegen. Nach acht Jahren wollte sich Otto Steigleder verändern. "Vor die Wahl gestellt, mich entweder für die Leitung des Wirtschaft- und Ordnungsamtes oder als Leiter des Ausschussbüros zu bewerben, habe ich mich für die Politik entschieden", berichtet er verschmitzt.

Statt enger Grenzen durch Gesetze und viele Regeln genoss er bis 1989 die Bewegungsfreiheit, die ihm die Zuarbeit für die Bezirksversammlung bot. "Als ich mich im Frühherbst 1989 auf die freiwerdende Stelle des Pressesprechers und Leiters der Allgemeinen Abteilung beworben habe, konnte ich nicht ahnen, was auf mich zukommt."

Am 1. Oktober trat er die Stelle an. Kaum im Amt die erste Bewährungsprobe: "Mit der Grenzöffnung mussten wir über Nacht Unterbringungsmöglichkeiten für Hunderte Neubürger schaffen." In der Wentorfer Kaserne und in Turnhallen wurden Notunterkünfte eingerichtet. "2400 Quadratmeter Spanplatten sollten die Hallenböden schützen, wir haben mit dem DRK Hunderte Betten aufgetrieben und Kühlschränke gekauft".

Sein überragendes Organisationstalent bewährte sich immer wieder. Bei großen Veranstaltungen, etwa der feierlichen Eröffnung der Fußgängerzone Alte Holstenstraße (1992) oder diversen Rathausfesten, bei den Spiegelsaalkonzerten, der Konzertreihe zu Ehren des Bergedorfer Komponisten Johann-Adolf Hasse 1999 oder diversen Publikationen, die Otto Steigleder verantwortet. Die jüngst erschienene Info-Broschüre "Der Bezirk Bergedorf" ist bereits die vierte. Sie wäre ohne Steigleders Einsatz ebenso ein Traum geblieben wie Publikationen zur Rathaus-Geschichte und vieles mehr.

Tatsächlich war diese Form der Öffentlichkeitsarbeit dem Kultur- und Geschichtsfan ein berufliches wie persönliches Anliegen. Als verantwortlicher Organisator von fast 20 Wahlen und Abstimmungen im Bezirk bewies er ebenfalls überragendes Talent. "Aus dem jüngsten Wahlverantwortlichen in Hamburg ist ein viel gefragter geworden", gibt sich Steigleder bescheiden. Tatsächlich sind seine Erfahrungen inzwischen über Hamburg hinaus gefragt. Nach seiner größten Niederlage gefragt, muss der Optimist lang grübeln: "Als sich die Politik entgegen besseren Wissens kurz vor den Wahlen 2008 gegen den Wahlstift entschied, hatte ich zuerst das Gefühl, mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen." Im Bezirk Bergedorf ging die Hamburg-Wahl dennoch ohne Probleme über die Bühne.

Mit seinem Ausscheiden werden Otto Steigleders Aufgaben auf diverse Schultern verteilt. Er selbst will seinen Hobbys frönen, malen, Konzerte und Museen besuchen. "Und mit meiner Frau ohne Gedanken an die Zeit im Nacken Urlaub auf unserer Lieblingsinsel Lanzarote machen."